Von „Platzhaltercaches“ & Gebietsreservierungen

Vor ein paar Jahren wäre das noch gar kein Thema gewesen, oder nur im Ausnahmefall. Heutzutage kann man aber immer wieder die Frage lesen, ob es möglich ist, ein bestimmtes Gebiet für seinen Cache zu reservieren, damit einem auch ja keiner in die Quere kommt und einen Cache just da auslegt, wo man ihn selber geplant hat. Zum Beispiel (dort mit weiteren Verweisen zu ähnlichen Threads):

Blaues Forum
Cache-Koordinaten reservieren lassen …, …. ist das möglich?

Grünes Forum
Gebiet für Cache vorreservieren??? Geht sowas?

Gelegentlich wird über den Geoclub versucht, Gebietsabsprachen zu treffen. Sogar von so genannten „Platzhaltercaches“ war schon die Rede (das wäre mein Favorit für das Geocaching-Unwort des Jahres…) – man legt einen (lieblos und schnell gemachten) Tradi an eine Stelle, die man hinterher anderweitig vercachen will; nur, damit kein anderer einen Cache an dieser Stelle auslegen kann. Will man ein entsprechend großes Gebiet vercachen, benötigt man womöglich nicht nur einen, sondern gleich mehrere solcher „Caches“, um zu verhindern, dass andere Caches dem eigenen geplanten zu nahe kommen (Stichwort: Mindestabstand). Ich muss wohl nicht extra betonen, dass ich solche Caches, die nun wirklich für gar nichts gut sind (und vielleicht auch anderen Cachern schaden?), für absolut verwerflich halte. Ich halte nichts von Caches, die aus Sekundärmotiven heraus ausgelegt werden.
Nebenbei bemerkt: Groundspeak hat einen Passus in den Regeln stehen (Cache permanence), dass davon ausgegangen wird, dass Caches für mindestens drei Monate (besser länger) verfügbar sind. Ansonsten sind sie nicht zulässig. Aber es gibt ja auch Cacher, die wollen Reservierungen über einen längeren Zeitraum und meinen, dass sie anderen Cachern mit einem neuen Cache (dem eigentlichen, der den Platzhalter später ersetzt) etwas Gutes tun, indem sie eine erneute Logmöglichkeit an bekannter Stelle schaffen.

Dass solche Diskussionen nun verstärkt aufkommen, zeigt, wie sehr Geocaching sich entwickelt und verbreitet hat. Ganz klar: die Zahl für Geocaches attraktiver Locations wird knapper, darum muss ja beim Auslegen auch immer mehr auf weniger attraktive Stellen ausgewichen werden. Kein Wunder, dass da der eine oder andere Geocacher Angst bekommt, nicht mehr (rechtzeitig) mit seiner Idee und seinem Cache zum Zuge zu kommen. Es ist verständlich, dass man sich, wenn man eine aufwändigere Idee hat, im Vorfeld der Veröffentlichung Ärger ersparen will und sich so etwas wie eine Gewissheit wünscht, dass man seinen Cache auch in Ruhe ausarbeiten kann, bevor jemand anderes den Ort vercacht. Erst recht, wenn sich die Fälle mehren, bei denen sich Geocacher darüber beklagen, dass andere einen Tick schneller waren. (Ich habe schon sehr oft die Erfahrung gemacht, dass Locations, die ich für einigermaßen cachewürdig hielt, die ich aber dennoch nicht vercachen wollte, totsicher irgendwann von anderen vercacht werden. Also nicht lange zögern mit dem Auslegen, wenn einem das wichtig ist…)
Klar, es ist ärgerlich, wenn man sich im Extremfall über längere Zeit Arbeit gemacht, den Cache vielleicht schon fertig ausgelegt hat und die Nachricht von einem an der fraglichen Stelle veröffentlichten Cache erhält, während man gerade die Beschreibung fertig macht. (Nach Murphys Gesetz ist es dann bestimmt auch noch ein Tradi-Micro, den ein Cacher „mal eben“ auf dem Hundespaziergang ausgeworfen hat.)

Aber mal ehrlich: Worum geht es denn beim Cachen? Um den eigenen Stolz, eine besondere Location entdeckt und vercacht zu haben? Um den Punkt für die Hidden-Statistik? Nein, darum geht es nicht bzw. sollte es nicht gehen. Es geht beim Geocaching immer um Locations, das sollte man nicht vergessen. Da sollte es doch im Prinzip egal sein, ob nun Cacher AB oder Cacher XY eine Dose bei bestimmten Koordinaten plaziert und somit den Ort anderen vorstellt! (Wir gehen mal davon aus, dass Cacher AB und Cacher XY das auf ihre Weise gleichermaßen angemessen und gut tun würden.) Ist es wirklich so schlimm, wenn jemand anderes nun seinen Cache an „meiner“ Location liegen hat?
Wenn auch meine Arbeit als Ausleger umsonst war, habe ich zumindest einen besonderen Ort kennengelernt und eine Logmöglichkeit für die eigene Fundstatistik, wenn es einem darauf ankommt. Man hat dann zwar Pech gehabt, aber bedeutet das, dass man solche Situationen unbedingt im Vorfeld verhindern können will? Verliert ein Cache durch Vorankündigung nicht auch an Reiz? Ist nicht auch das Überraschungsmoment, dass man nicht weiß, wann und wo ein neuer Cache veröffentlicht wird, ein Spaßfaktor am Geocaching?
Ich persönlich finde Vorankündigungen doof (ein Grund, warum ich kein Freund von Serien bin). Sicher gibt es auch Möglichkeiten, wie man sich mit solch einer Situation gut arrangieren kann. Vielleicht will der schnellere Ausleger den Cache nach einer bestimmten Zeit gar nicht mehr weiterpflegen und archiviert ihn. Oder gibt ihn zur Adoption frei. Dann könnte man immer noch mit der eigenen Idee zum Zuge kommen. Oder man macht ein Gemeinschaftswerk und vereinigt die Ideen beider Geocacher. Oder man findet im Nachhinein eine noch besser geeignete Location für die eigene Idee.
Man muss vielleicht manchmal auch einfach akzeptieren, dass für die eigene Idee keine geeignete Location mehr zur Verfügung steht. Caches sollten schließlich nicht um jeden Preis ausgelegt werden.

Im Münsterland-Forum des Geoclubs hat bullenbernhard das Thema Gebietsabsprachen angeregt: Es wird eng im Wald. Nach ausführlicher Erörterung kam man schließlich zu dem Schluss, keine Absprachen zu treffen, und das finde ich auch gut so. Jeder hat die gleichen Chancen, einen Cache an einer Stelle auszulegen. First come, first served.
Im Übrigen: Absprachen böten doch reichlich Möglichkeiten für Manipulation, was noch mehr für eigentlich zu vermeidenden Zündstoff sorgen würde. Ferner kann nicht davon ausgegangen werden, dass alle in Frage kommende Cacher über die Absprachen im Bilde sind. Möglicherweise pfuscht dann ungewollt ein übereifriger Neuling, der noch gar keine Geocaching-Foren kennt, dem Ausleger ins Handwerk, auch wenn sich alle anderen Cacher des Umfelds an die Abmachung halten. Es kann also auch mit Absprachen in keiner Weise garantiert werden, dass eine Location „geschützt“ ist! Vielleicht hat eine Absprache dennoch Erfolg. Man kann es ja probieren. Ich würde es aber wahrscheinlich nicht machen.

Übrigens: Aus der Tatsache, dass es zu Kollisionen und Mindestabstandsregelverletzungen kommen kann, zu folgern, dass solche Regelungen kontraproduktiv sind und abgeschafft gehören, halte ich für falsch. Ich bin durchaus für Mindestabstand. Wenn jeder machen kann, was er will, werden solche Situationen doch nicht vermieden, im Gegenteil. Außerdem, so sehr man auch Spaß am Punktesammeln haben kann beim Geocaching, es geht um Locations, und nicht um Logmöglichkeiten.

Als Fazit kann man nur raten: Seht zu, dass Ihr für die Planung und den Aufbau sowie das Erstellen und Einreichen der Beschreibung Eurer Caches nicht zu viel Zeit braucht. Dann schmerzt es auch nicht so sehr, wenn doch jemand schneller war. Wer wirklich Monate damit verbringen will, an einem Cache zu tüfteln, muss sich fragen, ob der Cache dadurch wirklich besser wird und ob er dasselbe Resultat nicht auch in einigen wenigen Wochen zu Stande bringen kann. (Ich will damit aber keinesfalls dazu aufrufen, seinen Cache schlampig zu gestalten und nachzubessern, sobald man sich die Location durch Veröffentlichung gesichert hat. Das kann es ja wohl nicht sein!)
Ihr wisst ja, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben…

2 Antworten to “Von „Platzhaltercaches“ & Gebietsreservierungen”

  1. Gecko-1 (G-e-c-k-o-s) Says:

    Also Gebietsabsprachen oder -reservierungen haben wir bisher noch nicht versucht. Habe uns immer auf unser Glück verlassen. Bei unserem Cachegebiet ist es wohl auch noch nicht so nötig, da die Caches hier noch nicht so dicht sind.

    Dein Fazit kann ich aber kaum zustimmen. Ich finde es besser wenn ein Cache sehr gut vorbereitet, und ausgearbeitet wird. Bei Multis, Mysterys, etc. die Stages liebevoll und interessant gestaltet werden. Gut Ding will Weile haben.

    Natürlich sollte man den Zeitaufwand dann in der QUalität auch merken, sonst ist es natürlich Blödsinn.

  2. West468 Says:

    Ich denke, wir sind da völlig einer Meinung: natürlich sollen Caches ordentlich ausgearbeitet werden, das habe ich sicher schon wiederholt hier geschrieben, sogar auch in diesem Artikel. Ich bin nun wirklich kein Freund der schnell und lieblos ausgelegten Caches.
    Ich denke nur, wer sich Monate zum Tüfteln Zeit lässt, muss sich nicht wundern, wenn eine Location plötzlich belegt ist. Die Frage ist insofern, wie viele Weile das gute Ding wirklich haben muss.

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