OC: Couch-Potato-Cacheschwemme

Zugegeben, „Couch potatoes“ waren eine recht interessante Entwicklung in der Frühphase des Geocachings, aber ehrlich gesagt war ich doch froh, dass diese irgendwann bei GC gestoppt wurde. Geocaching ist schließlich im Wesentlichen Schatzsuche im Freien und nicht ausschließlich Aufgabenbewältigung vor dem Computer (es ist doch gerade toll, dass manch ein Computerfreak dank Geocaching wieder nach draußen kommt).
Besonders unschön finde ich, wenn die so genannten Couch-Potato-Caches nicht mal mehr den kleinsten Bezug zu Navigationsproblemen haben. ‚Beantworte 5 zu ergoogelnde Fragen richtig, dann darfst Du einen Fund loggen.‘ – Nein, das hat mit Geocaching nichts mehr zu tun. Das sind keine Caches. Auf diese Weise Punkte zu sammeln, das macht eigentlich keinen Spaß und verfälscht nur die Statistik. Klar kann man solche Caches ignorieren. Muss man aber auch nicht.

Wer unbedingt einen Couch-Potato-Cache „verstecken“ will, kann das immer noch auf NC und OC tun. Bei NC muss so ein Cache zwar erst durch einen Begutachtungsprozess, aber ein Approver wird die Annahme dort normalerweise nicht verweigern. Bei OC gibt es bislang keine Reviewer, so dass jeder Geocacher solche Caches ungehemmt einstellen kann.
Nun, wie bei anderen Cachetypen auch gibt es interessante und weniger interessante Exemplare bei den „Couch potatoes“. Eigentlich sollte es aber selbstverständlich sein, dass man diese seltsame (überholte?) Cacheart nicht in größerem Stil auf Seiten wie OC verbreitet – wäre das nicht schon ein Missbrauch einer Seite, die eigentlich zum Dosensuchen gemacht ist?

Ich fand es eine Zeit lang mal ganz interessant, die noch relativ überschaubare weil begrenzte Gruppe dieser Caches (um die 60) auf GC zu lösen. Da waren ja auch durchaus lehrreiche und herausfordernde Aufgaben dabei. Darum habe ich auch irgendwann meine eigene Liste von Couch Potatoes erstellt, um einen Gesamtüberblick über diese Cacheart zu haben. Auch in der Erwartung, dass es bei diesen bekannten Spezialcaches bliebe.
Mit den Freiheiten, die es auf OC gibt, muss ich die Liste aber nun häufiger als mir lieb ist erweitern, wenn neue Exemplare hinzukommen. (Ich kann zur Zeit leider keine aktualisierte Version auf den FTP-Server hochladen.) Inzwischen kann man auf GC und OC deutlich über 100 Couch Potatoes finden. Das finde ich doch etwas viel, wenn die Caches, bei denen man nicht vor die Tür musste, einen großen Anteil in der eigenen Gesamtfundzahlstatistik ausmachen…

Ich will Couch Potatoes nicht in Bausch und Bogen verurteilen, aber wie auch bei anderen Cachetypen gilt, dass man sich Mühe geben sollte, wenn man so einen Cache einstellt. Es sollte um cachewürdige Locations gehen. Es sollte um Koordinaten und Navigation gehen. Es sollte Spaß machen, wenn man sich mit solchen Caches auseinandersetzt… Und weniger ist hier aus meiner Sicht mehr.

Bei OC gibt es inzwischen sogar eine Serie, die das Anlegen weiterer Couch Potatoes fördert. Anfangs fand sie zwar noch keine Mitmacher, inzwischen ist die Serie aber auf 25 Caches angewachsen: die Google-Maps-Serie, die Mic@ ins Leben gerufen hat. Die Aufgabe besteht immer darin, ein bestimmtes Motiv auf einem Google-Maps-Satellitenfoto ausfindig zu machen. Die Idee fand ich eigentlich gar nicht schlecht, Satellitenfotos können ja sehr beeindrucken, aber warum musste es gleich eine Serie, die auch noch andere Geocacher erweitern sollen, sein? Ich habe ja wie beschrieben eine skeptische Einstellung zu Cacheserien, so auch hier.

Da waren durchaus ein paar sehr interessante Aufgaben/Motive dabei, aber wie ich es erwartet hatte, kommen nun mehr und mehr weniger interessante Serien-Caches. Bei einigen fühlte ich mich sehr an die Rückwärts-Caches erinnert, bei denen ich auch froh war, dass diese Entwicklung frühzeitig bei GC gestoppt wurde. Das kann aber nicht Sinn der Sache sein, nun alte Reverse-Cache-Motive per Google Maps erneut zu vercachen.
Merkwürdigerweise wurde dieser Cachetyp (ein bestimmtes Motiv finden, fotografieren und samt Koordinaten im Log vorstellen) auf OC, anders als die Couch Potatoes, bisher nicht verstärkt genutzt. Die mir bekannten Exemplare lassen sich an einer Hand abzählen (vgl. meine Reverse-Cache-Liste). Und daran muss sich meinetwegen nichts ändern, denn auch hier haben wir es nicht mit dem eigentlichen Geocaching, sondern einer Sonderform zu tun.
Im Grunde handelt es sich bei den Caches der Google-Maps-Serie um einen Mischtyp, nämlich um „Couch-Potato-Reverse-Caches“. Die Caches sind von zu Hause aus zu finden, aber die Location und Koordinaten des Fundes sind immer unterschiedlich.

Google-Maps-Caches zeichnen sich durch folgende Aspekte aus:

Aus Sicht der Sucher:

  • Die Aufgabe ist immer dieselbe – ein bestimmtes Motiv auf einem Satellitenfoto finden.
  • Die Schwierigkeit ist sehr unterschiedlich: Wenn man Glück hat, kennt man ein Beispiel für das gesuchte Kriterium, und das Bildmaterial dafür ist brauchbar. Wenn nicht, muss man sich eine passende, noch nicht von einem anderen Geocacher geloggte Location ergoogeln. Das kann sehr knifflig werden, wenn man nicht weiß, wonach man suchen soll. Besonders schwierig wird es, wenn das gewünschte Motiv an einer Location nur für einen bestimmten Zeitraum beobachtbar ist.
  • Manche Caches ziehen ob ihres Themas einen sehr engen Rahmen, es gibt nur wenige findbare Exemplare. Je später man den Caches angeht, desto schwieriger das Finden eines geeigntes Ortes.
  • Manche Locations würden zur Aufgabe passen, doch die Auflösung des Satellitenfotos ist nicht gut genug. Das ist frustrierend, weil dann die Suche nach einem geeigneten Motiv von vorn beginnt.

Aus Sicht der Verstecker

  • Einen neuen Cache einzustellen bedarf kaum Zeitaufwand. Man muss nur eine bestehende Beschreibung kopieren und ein paar Wörter abändern.
    Ich bin nicht sicher, ob alle Verstecker dem Wunsch von Mic@ nachgekommen sind und eine Bildergallerie als Übersicht über alle bislang gefundenen Locations erstellt haben. So viel Cachepflege sollte schon sein.
  • Neue Motive für einen Google-Map-Cache lassen sich problemlos finden. Wenn man unkreativ ist, braucht man nur auf Reverse-Caches zurückzugreifen. Das macht es u. U. für Sucher einfach, erst recht, wenn sie eine bereits als Rückwärtscache geloggte Location erneut loggen können.
  • Der Cachetyp wurde bei dieser Serie uneinheitlich vergeben, mal wurde der Cache als virtueller, mal als unbekannter Cachetyp angelegt.
    Beides lässt sich vertreten. Aus meiner Sicht wäre wegen des Mischtyp-Charakters der unbekannte Cachetyp (Rückwartscaches wurden bei OC nicht als solche eingeführt) sinnvoller.

6 Antworten to “OC: Couch-Potato-Cacheschwemme”

  1. polxs Says:

    Das die Google-Maps-Caches immer mehr werden kann ich bestätigen. Da sie in Berlin ihren Ursprung haben tauchen sie bei mir in der Umgebungssuche auch zu Hauf auf.
    Da ich solche Caches auch nicht unbedingt mag stören sie mich doch ziemlich, Leider kann man bei der Suche von oc.de leider nicht so filtern, dass ich zum Beispiel Caches die im Namen „Google“ enthalten nicht sehen möchte. Schade Schade. Da finde ich den Weg den gc.com gegangen ist besser. Alles was kein Logbuch hat, hat auch bei gc.com nichts zu suchen, sondern wird wenn dann bei WM.com veröffentlicht.
    Eine Möglichkeit wäre es ja bei oc.de, diesen Caches eine eigene Rubrik angedeihen zu lassen, dann tauchen sie auch nicht bei den „normalen“ Caches mit auf.

  2. mity! Says:

    Die permanent steigende Zahl von Couch Potatoes ist für mich einer der Hauptgründe, weshalb ich in den letzten Monaten immer weniger auf Opencaching.de zu Gast bin.
    Ich will die Sache gar nicht grundsätzlich verteufeln, es gibt da ja wirklich einige ganz lustige Ideen (z.B. Kornkreise bei Google Maps zu finden). Aber es ist eben nicht das, was mir Spaß am Geocachen macht.
    Mir drängt sich da die Idee einer eigenen Plattform für sowas auf (wie es GC.com mit zugegebenermaßen wenig Erfolg mit Waymarking versucht hat).

  3. West468 Says:

    Um es noch mal deutlich zu sagen: Wer Spaß daran hat, Satellitenfotos zu bestimmten Themen zu sammeln, der findet geeignete(re) Plattformen dafür im Netz.
    Dieses Spiel immer wieder aufs neue im Rahmen von Geocaching zu treiben, auch wenn es anfangs eine nette Idee war, halte ich inzwischen für ausgereizt. Ich würde es begrüßen, wenn es bei den 25 Google-Maps-Caches bliebe.

  4. Geocaching: Was wenn die GPS-Empfänger zu genau werden? bei den cache test dummies Says:

    […] diesen Beitrag sind: Die Kommentare per RSS 2.0-Feed verfolgenEinen Kommentar hinterlassenEinen Trackback von Deinem Blogsenden […]

  5. West468 Says:

    Es gibt inzwischen noch zwei neue Google-Maps-Caches bei OC (errare humanum est und zoom zoom), die sich durch eine weitere Besonderheit auszeichnen: Ihre Funde sind nur begrenzt gültig. Sollte eine gefundene Location in der geloggten Form nicht mehr bei Google Maps einsehbar sein, wird der Fund gelöscht, und man muss erneut suchen!
    Spätestens an diesem Punkt hört für mich der Spaß an der Googelei endgültig auf, da ich keine „dynamische“ Statstik meiner Cachefunde pflegen will. Fehlt nur noch, dass diese Regel noch im Nachhinein für die anderen Google-Maps-Caches eingeführt wird. Dabei könnte das Problem der nicht mehr nachweisbaren Locations doch bequem dadurch gelöst werden, indem man nicht nur einen Link, sondern auch einen Screenshot in seinen Log mit aufnimmt. Bei einigen Caches dieser Serie gibt es ja auch, wie von Mic@ gewünscht, eine Bildergallerie der Funde.

  6. West468 Says:

    Ein paar Nachträge zum Thema:
    Mic@ hat meinen Artikel hier zum Thema im Geoclub gemacht, das will ich natürlich nicht unter den Tisch kehren.
    Dabei weist er auch auf die Seite googleearthhacks hin.

    Ferner bin ich heute bei Spiegel Online auf das hier gestoßen:
    SATELLITENBILDER-AUSSTELLUNG – Foto-Kunst aus dem Orbit.

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