Die Bedeutung von Statistiken relativiert

Geocaching-Statistiken, vor allem in Bezug auf die Fundzahlen, sind interessant, Zahlen und Rankings können Spaß machen, doch die scheinbar objektive Vergleichbarkeit, die sie suggerieren, ist beim Geocaching viel weniger gegeben als bei anderen Sportarten – weswegen man sie auch nicht zu ernst nehmen sollte. Das liegt natürlich daran, dass Geocaching nicht sehr stark reglementiert ist und vieles im Ermessen des Einzelnen liegt, aber es gibt auch noch andere Gründe.

Fundzahlen sind zum einen sehr stark abhängig vom Angebot an Caches, der Cachedichte; ebenso von der Mobilität/Reichweite (Kfz vs. Fahrrad-/ÖPNV-Cacher) und der für das Cachen nutzbaren Zeit des Einzelnen, aber auch von dessen Verhalten.
Ergo: Eine bestimmte Fundzahl eines Geocachers ist wenig dazu angetan, seinen Aufwand oder seine Erfahrung zu messen und noch viel weniger, um eine Vergleichbarkeit mit einem anderen Geocacher herzustellen.

Wer in einer Region mit vielen Caches wohnt, kommt leichter und schneller auf hohe Fundzahlen als jemand, der in einer Region mit wenigen Caches wohnt und daher weitere Wege hat. Wer letztes Jahr 500 Funde in einer bestimmten Region hatte, musste dafür wahrscheinlich deutlich mehr leisten als jemand, der diese Zahl in diesem Jahr erreicht, wenn die Cachedichte deutlich höher ist. Wer ein Kfz zur Verfügung hat, kann viel schneller eine Cachelocation erreichen als jemand, der (auch zeitlich) vom ÖPNV abhängig ist.
Die einen ziehen stets zu mehreren im Team los und haben daher eine potentiell höhere Erfolgsquote; sie finden Caches in der Regel schneller als ein einzelner und haben somit wiederum mehr Zeit, um weitere Caches anzugehen. (Es gibt sogar Teams, die sich aufteilen und an verschiedenen Orten parallel für einen Account Punkte sammeln.)
Eine Rolle spielt auch, welche Caches man präferiert und welche Ziele man verfolgt: wer bevorzugt einfache, kurze Caches ansteuert, kann schnell auf hohe Fundzahlen kommen; andere machen lieber längere Wandercaches oder verbringen viel Zeit mit dem Lösen kniffliger Rätsel, bevor die Dose zur Verifizierung der Lösung gesucht wird. Derselbe Zeitaufwand bedeutet als nicht eine vergleichbare Anzahl von Funden.
Hinzu kommen unterschiedliche Haltungen beim Loggen. Manche Geocacher finden nichts dabei, bei ihren eigenen Events „attended“ zu loggen. Andere sehen „Couch potatoes“ nicht als richtige Caches an und loggen keinen Fund, sondern nur eine Note, wenn sie die Lösung ermittelt haben, oder sie ignorieren solche Caches komplett. Manche Cacher loggen Funde, obwohl sie einen Cache eigentlich nicht gefunden haben und das Logbuch nicht abzeichnen konnten. Ferner gibt es Geocacher, die gerne etwas ausführlichere Logs schreiben oder sich umfassend in Foren informieren und engagieren; andere sparen dort Zeit ein, die sie für weitere Suchen nutzen können.😉

Ich persönlich sehe mich als „Intensivcacher“. Ich habe auch schon lange Radtouren unternommen, auf denen ich nur wenige Caches angehen konnte (im Extremfall knapp 80 km für nur einen reverse cache). Manch anderer hätte da wohl gesagt, dass der Aufwand nicht lohnt. Insofern bin ich auch stolz auf meine ca. 554 Funde in über 2,5 Jahren, auch wenn es andere gibt, die 1000 Funde (oder mehr) in einem Jahr zusammen bekommen…

Man sieht also: bei all diesen verschiedenen Aspekten (Unterschiede in Bezug auf Cachedichte, Mobilität, Such- und Logverhalten) ist die Aussagekraft einer Fundzahlenstatistik sehr begrenzt.

6 Antworten to “Die Bedeutung von Statistiken relativiert”

  1. Geocacher-Typen und die Frage: Sport oder Hobby? « West468s Geocaching-Weblog Says:

    […] Natürlich spielt in Sachen Erfahrung nicht nur die Anzahl der Funde eine Rolle, sondern auch, seit wann und wie intensiv man sich mit dem Hobby beschäftigt. Die Punktzahl und Datum der Registrierung geben wenigstens einen brauchbaren Anhaltspunkt. […]

  2. Gnocchi-Tina Says:

    Sehr richtig. Ich finde, für die Wasserlandroute haben Kristina und ich 10 Founds verdient.😉 … mindestens.

  3. pink_paulchen Says:

    Ich fände ja auch schön, wenn für difficulty und terrain Wertung eine Gesamtpunktzahl aller gefundenen Caches abrufbar wäre. Dann hätte man zumindest im Anspruch der Caches eine Wertigkeit und es wäre „mehr wert“ einen 5/5 Cache (oder die Wasserlandroute) zu finden, als einen 1/1 Drive-in🙂
    Aber weil ich gar kein Statistikcacher bin, sollte ich vielleicht zu diesem Thema gar nicht posten…

  4. West468 Says:

    Bei NC gibt es so eine Addierung der D- und T-Werte. Und zwar nicht nur für Funde, sondern auch für die versteckten Caches. Alles zusammen ergibt dann dort die Gesamtpunktzahl.
    Ich komme im Moment auf 1016 D-Punkte (für alle bei GC, NC, OC geloggten Caches) und 842,5 T-Punkte.
    Der Durchschnittscache hat also (immer noch) D 1,88 und T 1,57, also insg. 3,45 Sterne…

  5. polxs Says:

    Das die Cachedichte entscheident ist für die Anzahl an gefundenen Caches ist absolut richtig, wenn ich mir ansehe wie hoch die Cachedichte hier in Berlin ist… Und wenn ich mir dagegen den Raum um Osnabrück (hab nur schnell auf der Karte bei geocaching.de nachgesehen) ansehe, da ist da schon ein ordentlicher Unterschied zu sehen.
    Aber der Vorschlag mit den Durchnittswerten bei Terrain und Difficulty ist meiner Meinung nach durchaus eine Überlegung wert.
    Klar könnte man sich die Werte auch selbst errechnen, aber gc.com hat sie ja schon und die eine Berechnung mehr wird ihrer Server nicht in die Knie zwingen. Hoffen wir es.😉

  6. D-Buddi Says:

    Selbst hier in den Kommentaren sieht man doch schon wie wichtig die Zahlen scheinbar sind. Ich bin seit langem dafür die Zahlen frei zu geben, d.h. jeder soll sich eintragen können was er will, dann ist das Thema sofort erledigt und hat endlich ruh… Würde wahrscheinlich sogar die Qualität der Caches erhöhen weil keiner mehr eine Mikro im Hundehaufen suchen würde.

    MfG Jörg

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