Plastiktüten und andere Ekelfaktoren

Geocaching hat nicht nur schöne, sondern leider gelegentlich auch seine ekligen Seiten. Wohl die meisten Geocacher haben schon einmal ehemals schöne Locations stark vermüllt vorgefunden, und so manches Fleckchen, wo sich unauffällig ein Cache verstecken ließ, hat sich ob seiner Abgeschiedenheit als Freiluftklo entpuppt. Mit einer sorgfältigen Wahl der Location kann man vorbeugen, ansonsten hilft nur, vor Ort aufzuräumen (Stichwort: CITO-Event) oder den Cache zu verlegen.

Ein Ekelfaktor beim Cachen ist allerdings hausgemacht: Plastiktüten, die als Schutz und/oder Tarnung dienen sollen. Was bewirken sie tatsächlich, was sind ihre Vor- und Nachteile?
Plastiktütenbefürworter glauben, dass ein Cache durch den Einsatz von Tüten zum einen besser geschützt vor Umwelteinflüssen und zum anderen besser getarnt ist. Plastiktütengegner, zu denen ich mich, wie schon an der einen oder anderen Stelle angedeutet, auch zähle, glauben, dass ein Cache durch den Einsatz von Tüten weder besser geschützt noch besser getarnt ist, sondern im Gegenteil gefährdeter: sie saufen leichter ab bzw. werden feucht, da Wasser aus den Tüten nicht abfließen kann; zumal oft nicht nur eine, sondern gleich zwei oder mehr Tüten eingesetzt werden. Zudem sind die Tüten häufig auffällig, so dass Caches leichter gefunden werden können – auch von Muggels, welche gar nicht erst in die siffigen Umhüllungen hineinschauen und den ekligen Fund sofort entsorgen.

Wenn man sie danach befragt, ob sie Plastiktüten um einen Cache befürworten, würde wohl inzwischen die Mehrheit der Geocacher mit Ablehnung reagieren. Trotzdem findet man immer noch einen Großteil der Caches in Tüten eingewickelt. Es gibt sogar einen Cache, der auf die Problematik aufmerksam machen soll: der Tüten-Cache von Vascodagama. Und ich habe auch schon eine Cachebeschreibung gesehen, in der mit dieser Grafik für einen tütenfreien Cache geworben wurde.
Im Ruhrgebiet haben sich alternativ Lappen aus zerschnittener Bundeswehrkleidung oder Zeltplane stark verbreitet. Dort ist man offenbar der Ansicht, die ollen, feuchthaltenden Plastikteile überwunden zu haben, übersieht dabei aber, dass der Tarnstoff auch kaum besser ist. Zwar kann dabei das Wasser abfließen, dafür saugt sich aber der Stoff mit Flüssigkeit voll und hält so auch die Feuchtigkeit und den Dreck am Cache. Für einen Finder ist so ein Stofffetzen genauso eklig wie eine Tüte. Ironischerweise findet man die Tarnlappen häufig um Ammokisten, die schon von Haus aus gut genug getarnt sind.
Nach meiner Erfahrung ist es in der Regel noch am besten, einen Cache ohne Umwicklung in seinem Versteck zu lassen. Er wird dann außen zwar auch schmutzig (selbst das können Plastiktüten auf Dauer nicht verhindern), bleibt aber dafür dauerhaft trocken, und im Trockenzustand lässt sich der Schmutz außen leicht entfernen.

Angeblich soll die Sache mit der Tüte um den Cache ja ein typisch deutsches Phänomen sein, das in anderen Ländern nicht solche Verbreitung gefunden hat. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass eine entsprechende Empfehlung lange Zeit auf GC.de zu lesen war. Inzwischen ist sie verschwunden. Eine ältere Version des Textes, die man noch auf OC (und auf der alten GC.de-Seite) einsehen kann, enthält aber noch den Satz „Zu guter Letzt solltest du in Betracht ziehen, den Cache komplett in eine Plastiktüte einzuwickeln.“

Um nicht vorschnell zu urteilen, habe ich für die ultimative Antwort auf die leidige Tütenfrage nochmal in den Archiven der Foren gestöbert:

Grünes Forum
Welche Tüte ist ideal?
Stinkende Plastiktüten
Plastiktüten um den Cache? Bringt das was?

Blaues Forum
Plastiktueten – wofür?
Weg mit den Tüten! (lesenswertes Posting von cosmic bob)
Tütenmaterial
Plastiktüte(n)

Usenet: alt.rec.geocaching
Tupperdosen? Munitionskisten? So nstige Vorschläge?

Quintessenz: Insgesamt kann man wohl sagen, dass sich Tüten um den Cache überwiegend nicht bewährt haben (wohl aber sind Ziploc-Beutel im Cache als Schutz für das Logbuch empfehlenswert).
Viel wichtiger als die Überlegung, ob Tüte oder nicht, sollte die Auswahl eines möglichst trockenen Verstecks sowie eines brauchbaren Cachebehälters sein, zum Beispiel Munitionskisten oder stabile Kunststoffdosen (Frischhalteboxen) wie Tupperware, Rubbermaid/Curver oder Lock & Lock… oder Baumarktartikel wie Abflussrohre. Ach ja, nicht zu vergessen: Die „Hightech-Containments aus der Petro-Chemie“ von Team UlRai (werden auf jedem von ihnen besuchten Event unters Volk gebracht; siehe auch den Hightech Containment-Cache).😉 Ungeeignet: Keksdosen oder Speiseeis-Behälter.

8 Antworten to “Plastiktüten und andere Ekelfaktoren”

  1. Irrtümer über Geocaching « West468s Geocaching-Weblog Says:

    […] Ein Cache ist am besten in (mehreren) Plastiktüten geschützt. Nein, in den allermeisten Fällen bedarf ein Cache mit einem vernünftigen Behälter (zum Beispiel Munitionskiste) einer Tüte weder zum Schutz noch zur Tarnung. Meistens sind Tüten sogar hochgradig kontraproduktiv, da sie nach Regenfällen die Feuchte und Nässe im und am Cache halten. Zudem sind sie meist binnen kürzester Zeit zerrissen, dreckig, feucht, muffig, eklig und werden von Viechern bewohnt. In der Regel fährt man am besten ohne jede Form von Cache-Verkleidung. Siehe auch: Plastiktüten und andere Ekelfaktoren. […]

  2. Gecko-1 (G-e-c-k-o-s) Says:

    Hmm, so Tarnplanen benutzen wir aber auch. Kommt auf einen Langzeittest an, da wir die noch nicht so lange nutzen. Die Tarnung ist auf jeden Fall besser.

    Vor Umwelteinflüssen schützen wir unsere Caches so gut es geht mit der Versteckauswahl.

  3. sqrt Says:

    Lese gerade den Beitrag, 100% ACK. Hier im „Frankenländle“ ist es besonders schlimm. Habe daher (zufälligerweise heute) in Nürnberg einen „Anti-Tüten-Cache“ gelegt (http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?guid=2c6b7cdb-afad-4596-b951-a2adff65a618) Bei den Fotos handelt es sich übrigens nicht um die schlimmsten Beispiele. Sie stammen nur von meinen letzten 2 Cachetouren…

  4. buddler Says:

    Stimmt. bei uns in Franken sind die Tüten quasi Tradition und betimmt bei 90% der Caches anzutreffen. Bei den krassen Fällen arbeite ich halt nur mit den Fingerspitzen und schüttle den Cache heraus. Beim Wiedereinpacken wird´s dann halt manchmal eklig.
    Kann aber auch verstehen, das man beim Verstecken die Dose nicht direkt dem Erdreich, fauligem Baumstumpfinneren oder Regenwasser aussetzen will…

    Seltsam ist auch die Angewohnheit, den Cache auch sinnlos in eine total zerlöcherte Tüte wieder einzupacken, wobei ich mich da gar nicht ausnehme.

  5. sqrt Says:

    Eine wasserdichte Dose muss auch mal Regen abkönnen. Sie trocknet ja wieder, wenn keine Tüte drum ist…und von einem trockenen Cache kann man auch viel einfacher irgendwelche Anhaftungen abwischen oder wegpusten….

  6. Attila Says:

    Man kann lange darüber streiten ob mit oder ohne Tüte (nicht nur beim GeoCachen😉 ), aber was ich nicht verstehe: Wenn ihr beim Cachen auf eine „versiffte“ Tüte trefft, wieso tauscht ihr sie nicht gegen eine neue aus oder lasst den Cache ohne Tüte liegen? Ein Cache mit Tüte ist an sich tatsächlich besser geschützt, das „Problem“ tritt doch erst durch das ständige Ein-Aus-Packen auf. Der versiffteste Cache den ich gehoben habe hatte keine Tüte. Liegt vieleicht auch daran das in meiner Gegend die „Tüten-Austausch“-Mentalität sehr gut ist.

  7. Dreiradcacher Says:

    Hat mich zum nachdenken gebracht. Werde versuchen nach und nach auf Plastikmüll zu verzichten.

  8. Tom Says:

    Ich habe nicht einen einzigen Cache in ein oder mehrere Tüten verpackt gesehen, der nicht nach gefährlichen Krankheitserregern roch. Warum man so etwas nicht in neue Tüten verpackt? Weil das nichts bringt! Warum man die Tüte nicht weglässt? Weil es Eigentum eines andern ist und man Caches nicht verändern oder anders verstecken soll.

    Warum es in Tüten nass wird? Weil sie keine Dichtungen haben und Spalte zwischen Flächen Wasser anziehen, anstatt es abzustoßen und nicht weil die Tüten ab und zu geöffnet werden!

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