„Schneller Cache für zwischendurch“

Es wird höchste Zeit, dass ich diesen Artikel schreibe, gewissermaßen aus gegebenem Anlass, dabei liegt mir dieses Thema nicht erst seit der jüngsten Auslegewellen oder meiner letzten Cachetouren auf der Seele: die so genannten „schnellen Caches für zwischendurch“.
Es dürfte mittlerweile deutlich geworden sein, dass ich es bei Caches absolut nicht mag, wenn abgekupfert wird (und diese Formulierung liest man wortwörtlich immer wieder), noch dazu, wenn sich damit (aus meiner Sicht) Fehlentwicklungen fortpflanzen.
Und in meinen Augen sind diese „Quickies“ eine solche, wenig wünschenswerte Entwicklung.
Irgendwie bilden diese Art von Caches schon fast eine Cacheserie. Oder kann man da schon von einer Epidemie sprechen? Wenn es nur einige wenige Caches dieser Art wären, würde ich ja gar nichts sagen, aber man liest viel zu häufig in Cachebeschreibungen „Schneller Cache für zwischendurch“. Das hatte ich ja schon mal bei der Besprechung der Cachegrößen angemerkt.

Zunächst mal ist ja nichts dagegen einzuwenden, dass Caches schnell gefunden werden können, ganz im Gegenteil, das kann ja eine willkommende Auflockerung bei einer Cachetour sein, wenn man zuvor zeitintensive Caches absolviert hat.
Aber: Ein Cache sollte mir wenigstens etwas bieten. Und zwar eben nicht nur einen Punkt für die Statistik. Es gibt auch gut gemachte Caches, die man schnell finden kann. Caches, die nur dem Zeitvertreib, der Bekämpfung der Langeweile dienen, langweilen. Klingt paradox, ist ironischerweise aber so.
In dieser Hinsicht sind die „schnellen Caches für zwischendurch“ vergleichbar mit den Bahnhofscaches. In beiden Fällen haben wir wenig reizvolle Locations. Wobei vermutlich sogar noch mancher Bahnhofscache kurzweiliger ist als ein Cache am Parkplatz eines Bau- oder Supermarktes oder einer McDoof-Filiale… Außerdem, wie ich ja schon im Zusammenhang mit den Cacheserien schrieb:

[Was mir missfällt, ist] der Gedanke, Caches einzurichten, um Geocachern die Langeweile […] zu vertreiben. Wenn dies das Motiv für Geocaches ist, dann kann man genauso gut jede beliebige andere uninteressante Stelle (Bushaltestellen?) mit einem Cache zupflastern. Hauptsache, der gelangweilte Geocacher hat etwas zu tun. Das hat wenig mit dem ursprünglichen Gedanken von Geocaching zu tun, Leute an ungewöhnliche, besondere Orte zu führen, ja ist diesem praktisch diametral entgegengesetzt.

Bei diesen Caches ist es nicht so, dass der Cacher zum Cache kommt und eine tolle Location entdeckt. Hier ist es genau umgekehrt: der Cache kommt zum Cacher, um ihm an seinem langweiligen Aufenthaltsort eine Logmöglichkeit zu bieten.
Das muss nicht sein, das sind Exemplare, die die Cacherwelt IMHO nicht braucht, erst recht nicht bei der heutigen Cachedichte.
Also bitte: verschont uns mit weiteren Schnell-Caches.

Aber das ist noch nicht alles, dass wir es hier nur mit eigentlich nicht cachewürdigen Locations und langweiligen Caches zu tun haben. Betrachten wir mal die Formulierung genauer:
Das Adjektiv ’schnell‘ soll darauf hinweisen, dass es sich um einen Cache handelt, der von seinen Suchern ohne große Mühe und Zeitaufwand gefunden werden kann. Irgendwie schwingt da schon fast ein bisschen die Vorstellung mit, dass es ein anspruchsloser Cache mit geringem Spaßfaktor ist; einer, der gut zum Pushen der Fundzahl der Statistik ist. Tatsächlich weist das ’schnell‘ aber auch noch auf etwas anderes hin, was der Verstecker freilich nicht ausdrücken wollte: nämlich, dass es auch ein Cache ist, der schnell ausgelegt wird, einer, bei dem sich der Besitzer wenig Mühe geben muss. Darum handelt es sich auch in den allermeisten Fällen um Micro-Caches; die sind bei den Ownern beliebt, weil sie sich so leicht und schnell verstecken lassen. Die können vorbereitet in der Jacke zum Hundespaziergang oder Einkaufen mitgeführt und „mal eben“ irgendwo dazwischengequetscht werden. Micros stehen bei Suchern hingegen selten hoch im Kurs, da sie praktisch keine Tauschmöglichkeit bieten und manchmal auch gar nicht so leicht zu finden sind; für manche sind Micros sogar gar keine „richtigen“ Caches.
Auch die Formulierung ‚für zwischendurch‘ ist interessant. Dahinter verbirgt sich meines Erachtens ein Denkfehler, ein Irrtum, eine Pseudologik, wie auch immer man es nennen will. Ich glaube, dass es in Wirklichkeit praktisch gar keine Klientel für „Zwischendurch-Caches“ gibt, in der Form, wie sie gedacht sind, wenn die kleine Langeweile kommt. Das würde ja bedeuten, dass der Geocacher immer ein mit den Koordinaten bewaffnetes GPS-Gerät dabei haben müsste und dann beim Einkaufen spontan entscheiden kann: ‚Aha, hier liegt ein Cache, dann mach‘ ich den mal eben, während ich auf XY warte‘. In der Realtität sieht es doch anders aus: Da kommen die FTF-Jäger, solche, die das neue Exemplar auf der Nearest-ToDo-Liste stört und vielleicht Auswärtige, die während einer Tour einen schnellen Fund nebenbei machen wollen. Ich behaupte: Funde durch den Typ „gelangweilter Einkäufer“ gibt es nicht oder höchst selten. Caches anzugehen, ohne dass es vorher geplant war, ist die große Ausnahme. Der Normalfall ist, dass ein Cache gezielt angegangen wird.

Natürlich, diese Caches werden nicht boykottiert, sondern geloggt wie andere Caches auch, insofern bekommt der Ausleger auch nicht das Gefühl, dass sein Cache eigentlich niemandem etwas bringt. Durch die vielen anderen Schnell-Caches fühlt er sich bestätigt, auch wenn er vielleicht weiß, dass er keine tolle Location mit einer Dose bedacht hat. (‚Was viele machen, kann ja nicht verkehrt sein.‘ Oder?) Schließlich loggen ja viele brav „Danke für den Cache“, auch wenn sie wenig Spaß daran hatten, was wohl selbst für hartgesottene Statistikcacher zutreffen dürfte. Generell, denke ich, kommt bei solchen Caches immer noch zu wenig Kritik (Stichwort: Ehrliche Logs), was auch dazu beiträgt, dass sich diese Spezies weiter verbreitet. Dabei sollte sich ein Besitzer klar machen, dass er selbst im Grunde doch auch kaum etwas von so einem Cache außer dem Punkt für die Hidden-Statistik (welcher allerdings für manche erstrebenswert ist) hat. Überschwängliche Logs von begeisterten Cachern sind ja nicht zu erwarten.

Fassen wir zusammen: „schnelle Caches für zwischendurch“ zeichnen sich dadurch aus,

  • dass sie eine wenig cachewürdige Location zu bieten haben (Beispiel Supermarktparkplatz),
  • dass sie eben nicht die Langeweile vertreiben,
  • dass sie eben nicht zwischendurch angegangen werden,
  • dass sie weder Findern noch dem Verstecker großartig Spaß bringen.

Schlussfolgerung: Die Cacherwelt braucht keine weiteren „schnellen Caches für zwischendurch“.

Na, was sagt Ihr zu meiner scharfsinnigen Analyse? Habe ich nicht Recht?😉

8 Antworten to “„Schneller Cache für zwischendurch“”

  1. Philipp, pl24.de Says:

    Autobahncaches z.B. sind ja eine nette Abwechslung, da will man ja auch nicht lange suchen und die Location muss auch nichts Besonderes sein.
    Vor kurzem hatten wir aber mehrere Caches „zum Mitnehmen“, wo ich mich wirklich gefragt habe, warum die dort liegen. Keine sehenswerte Landschaft aber auch keine Autobahnraststätte, die evtl. ein Versteck gerechtfertigt hätte. War eigentlich schade ums Benzin, auch wenn’s in der Nähe war. Leider wussten wir vorher nicht, was uns erwartet bzw. was uns nicht erwartet.

    Während einer Cachetour sind ja solche Einfachen auch mal ganz nett, aber ich will durch Geocaching an besondere und sehenswerte Orte geführt werden.
    Also stimme ich dir zu, lasst das mit den schnellen Caches für Zwischendurch.

  2. hcy Says:

    Also ich bin ein Fan von schnellen Caches für zwischendurch. Oft komme ich nur auf Dienstreisen zum Cachen, da hat man einfach nicht die Zeit für lange spannende Multis. Andererseits lernt man auch bei schnellen einfachen Tradis oft interessante Ecken kennen und spannender als im Hotel zu sitzen ist’s allemal.
    Ich lege also auch gerne solche Cache für Leute denen es wie mir geht.

  3. West468 Says:

    Es war mir klar, dass ich das noch mal präziseren muss: Ich habe mich nicht gegen Tradis ausgesprochen (man beachte: ich habe im ganzen Beitrag überhaupt keine Cachetypenbezeichnungen verwendet!) und auch nicht gegen Caches, die man schnell finden kann; sondern gegen Caches, bei denen sich der Owner keine Mühe gibt und die nicht mehr als einen Statistikpunkt wert sind, weil die Location rein gar nichts hergibt.
    Ich wollte darauf aufmerksam machen, dass hinter den lieblos hingeworfenen Caches meines Erachtens eine Fehlentwicklung und ein Denkfehler steckt, wenn Leute (die vielleicht ihre Hidden-Statistik pushen wollen) meinen, dass sie der Community damit einen Gefallen tun.
    Auch auf Geschäfsreisen kann man sicher lohnenswerte schnell zu findende Caches machen, die mehr Spaß bringen als ein Cache auf dem Parkplatz eines Einkaufstempels.

  4. morinox Says:

    Deiner Analyse kann ich nur zustimmen. Ein Geocache nach meinem Geschmack sollte einen entweder zu einem besonderen Ort führen (wobei diese ‚besonders‘ dem persönlichen Geschmack unterliegt — der eine findet eine Industriebrache spannend, der ander nur abstossend), mit einem nett gemachten Rätsel verbunden sein, oder auch vielleicht einen Aha-Effekt bieten, durch ein pfiffiges oder dreistes Versteck. Sowas ist immer klasse. Reine Statistik-Caches gibt es aber genauso unter lieblos gemachten Multis.
    Sehr schade finde ich es immer, wenn ein Ort durch einen Micro quasi ‚entwertet‘ wird, an dem man durchaus mit ewas mehr Hingabe einen schönen Regular installieren hätte können. So wie es auch die Unsitte gibt, mal eben die ersten vor Ort gemessenen Koordinaten zu veröffentlichen, ohne vorher ein paar gute Messungen zu mitteln. So frustriert man nur unnötigerweise seine ‚Mitspieler‘.
    Eine gute Regel ist IMHO, sich beim Erstellen eines Caches zu fragen, ob man selber Spass daran hätte, den zu suchen.

  5. West468 Says:

    Hallo morinox, danke für Deinen Beitrag! Dem kann ich auch nur zustimmen. Sich selber beim Auslegen zu fragen, ob man Spaß an diesem Cache hätte, ist sicher ein guter Anhaltspunkt. Man muss dann nur ehrlich mit sich sein.😉
    Es wurde ja vor einiger Zeit mal diskutiert, was einen Qualitätscache ausmacht; allgemeingültige Kriterien konnten dabei nicht gefunden werden. Mir scheint aber doch, dass man sagen kann, dass die Qualität eines Caches mehr oder weniger proportional steigt mit dem Aufwand, den der Owner betreibt. Insofern können „schnelle Caches“ (schnell ausgelegte) bei mir sicher keine Jubelarien auslösen…

  6. friederix Says:

    Hallo West468,
    Im Großen und Ganzen stimme ich Dir in vollem Umfang zu.
    Aber ich kann auch die Existenzberechtigung mancher Quickies nicht wegleugnen.
    Wenn man eine umfangreichere Cacher-Tour in fremder Umgebung plant, ist man auch auf den ein oder anderen DNFs vorbereitet, und da tut es zwischendurch der Seele gut, einen kleinen, leichten Found verbuchen zu „dürfen“.
    Dann hat man (nach dem Frust) den Kopf wieder frei für die neue Aufgabe.
    Zugegeben, ein Cache in einem Industriegebiet hat überhaupt nichts Prickelndes, aber ein Bahnhofscache mit entsprechender Muggle-Gefahr hat durchaus seinen Reiz (habe bis vor einem halben Jahr selbst nicht gedacht, dass ich sowas jemals gutheißen könnte).

    Aber eine Tour mit zwei guten Multis und drei Drive-Ins, – warum nicht.
    Ist das nicht Cacher-Alltag ?

    Um nicht mißverstanden zu werden, ich kam durchs Wandern auf das Geocaching und habe großen Gefallen daran gefunden.
    Das war und bleibt immer der primäre Grund.

    Aber auch ein – von der Location her – weniger attraktiver Cache, bei dem man aber evtl. eine halbe Stunde auf eine „Zugriffsmöglichkeit“ warten muss, ist doch Bestandteil dieses Hobbies und beinflusste den Adrenalinpegel …🙂

    Fazit: wenn ich eine Gegend nicht kenne kenne und möchte dort wandern, kaufe ich mir keinen Reiseführer mehr, nein ich suche mir Caches.
    Da kann kein Reiseführer mithalten.
    Aber nach einem Restaurantbesuch in der Gegend ein kurzer Drive-In, warum nicht.

    Aber alles nur meine bescheidene Meinung

    Die Möglichkeiten sind eben grenzenlos ,

    Viele Grüße in die Runde,

    friederix

  7. West468 Says:

    Hallo friederix, Du hast hast natürlich im Großen und Ganzen Recht. Klar haben auch die Quickies und Drive-ins ihre Berechtigung, aber bitte keine Serien von Caches an Locations der Marke Supermarktparkplatz.
    Ich möchte schon unterscheiden zwischen ordentlichen Caches, die man schnell und ohne großen Aufwand finden kann und solchen, bei denen die Beschreibung bereits anzeigt (mit dem berüchtigten Satze), dass es wieder ein lieblos auf die Schnelle dahingeknallter ist (bei dem die Location die Anfahrt nicht lohnt). Das Auslegen sollte IMHO aber nicht im größeren Stile „zwischendurch“ erfolgen; man möchte doch schon, dass sich ein Owner wenigstens ein bisschen Mühe gibt. Auch auf einer längeren Tour, wenn man gerade mal dankbar für einen schnellen Fund ist, kann ich mich über so einen Supermarktparkplatzmicro-Fund wirklich nicht freuen.
    Mich ärgert einfach, dass mangels kreativer Ideen nach Vorwänden für das Auslegen gesucht wird…

  8. ime Says:

    Yep. Well put.

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