„Wer XY nicht mag, soll XY nicht suchen!“

Wer etwas leidenschaftlich betreibt, und das werden wohl sehr viele Geocacher von sich in Bezug auf ihr Hobby behaupten, sammelt Eindrücke und Wissen, macht Erfahrungen, bildet Meinungen, entwickelt Vorlieben und Abneigungen, und er oder sie teilt seine/ihre Beobachtungen häufig in der einen oder anderen Weise mit; sei es in Logs, Forenpostings oder Gesprächen.
Natürlich sind die Präferenzen nicht selten verschieden, und so kommt es zu Meinungsverschiedenheiten.
Häufig wehren sich Cacher-Owner mit dem folgenden Satz gegen Kritik: „Wer XY nicht mag, soll XY halt nicht suchen!“ Gerne wird dieser Satz zum Beispiel auf Micro-Caches angewendet.
Ich halte diese Art der Argumentation nicht für legitim.

Auf den ersten Blick ist man geneigt, den Satz für vernünftig zu halten und ihm zuzustimmen: Schließlich kann man den Cachebeschreibungen und Logs im Vorfeld der Suche eine Reihe von Informationen entnehmen, so dass man in der Regel recht gut weiß, was auf einen zukommt; und wenn einem das, was man liest, nicht gefällt, besteht ja die Möglichkeit, Caches auszusuchen, die mehr Spaß versprechen. Niemand ist gezwungen, einen bestimmten Cache anzugehen.
Sicher ist es richtig, dass jemand, wenn er keine Micros mag und nun einen gehoben hat, hinterher nicht sagen kann, dass er nicht vorher gewusst hätte, was ihn bei einem Cache erwartet (und wenn er es tatsächlich nicht gewusst hat, muss er die Schuld bei sich suchen, dass er sich nicht angemessen vorbereitet und die Beschreibung nicht aufmerksam genug gelesen hat).
Aber das bedeutet nicht, dass er deswegen keine Kritik äußern darf. Wer vor Ort war, darf auch offen seine Erfahrungen mit einem bestimmten Geocache mitteilen. Nicht nur das, ich halte es im Sinne anderer Geocacher sogar für geboten, das zu tun.
(Vgl. Das Logschreiben – ehrliche, sachliche Kritik. Es gibt allerdings auch Geocacher, denen Statistikpunkte egal sind, die sich nicht ärgern wollen und daher nur dann Logs schreiben, wenn ihnen ein Cache gefallen hat. So vermeidet man die eine oder andere nervige Diskussion und kann entspannter cachen; im Sinne der Community ist das meiner Ansicht nach nicht unbedingt, zumindest dann nicht, wenn nicht kundgetan wird, wo etwas verändert/verbessert werden muss. Dasselbe Problem besteht auch in den Fällen, in denen Geocacher ihre DNFs nicht posten – sind sie ihnen peinlich?).

„Nun, wenn der Sucher doch vorher wusste, dass ihm dieses oder jenes an meinem Cache nicht gefällt, warum hat er ihn denn dann überhaupt absolviert?“, mag unser Cache-Besitzer jetzt einwenden, ganz im Sinne des Mottos von DocW, der in seiner Foren-Signatur stehen hat:

Caching like it ment [sic] to be: Only go for the fun caches.

Das ist sicher eine gute und völlig legitime Einstellung zum Geocaching. Vielleicht sogar die, welche man sich angesichts der vielen (unter-)durchschnittlichen Caches, die die rasante Entwicklung des Hobbys nun mal mit sich bringt, zu eigen machen sollte.
Sie wird aber nicht von jedem Geocacher geteilt. Halten wir uns vor Augen, dass Geocaching auf verschiedene Arten betrieben wird; für die einen ist es eher Hobby, für andere eher Sport; bei manchen wird es eher spielerisch, bei anderen eher ambitioniert betrieben; stets soll natürlich der Spaß im Vordergrund stehen, aber was Spaß macht, definiert selbstverständlich nicht jeder gleich.

Was mich angeht, gehöre ich zu denen, die jeden Cache in Reichweite auch finden wollen. (Oder wie jemand in einem Forum mal schrieb: „Ignorieren gilt nicht.“) Natürlich weiß ich bei manchen Schatzsuchen schon im Vorfeld, dass der Spaßfaktor eher gering sein wird; dennoch will die gestellte Aufgabe, sofern im Rahmen der eigenen Möglichkeiten, auch erledigt werden, so dass der Cache auf der To-Do-Liste (sprich Nearest-Liste) nicht mehr auftaucht. Also gehe ich auch solche Caches an. Und ich bin nicht der einzige, der diese Art zu cachen bevorzugt.
(Ich frage mich allerdings wirklich, ob ich eines Tages eher im Sinne von DocW cache. Würde die konsequente Ignorierung von offensichtlich schlampig ausgelegten Caches etwas zum Positiven verändern? Ich bezweifele das. Dafür gibt es einfach zu viele Geocacher, deren Logs suggerieren, dass selbst der liebloseste Cache für sie gut war: „Danke für den Cache!“)

Außerdem lässt sich natürlich nicht jedes Problem im Vorfeld erkennen und aus Beschreibung und/oder Logs herauslesen. Auch beim Ortstermin kann es zu unangenehmen Überraschungen kommen. Generell kann man Cachebesitzern immer wieder nur empfehlen: Kritik zum einen nicht persönlich nehmen, und zum anderen genau hinschauen (auch mehrfach), was wirklich kritisiert wurde.
Aus welchen Gründen auch immer jemand einen Cache angegangen hat, er war da, und nun hat er einen Grund, sich darüber zu äußern. Dass sich der Sucher die Mühe macht, einen Log zu schreiben, sollte man (in der Regel) als Hilfsangebot verstehen, auch wenn der Ton nicht immer glücklich getroffen wurde.

Fazit: Der im Titel genannte Satz ist für mich ein reines Totschlagargument, der einer vernünftigen Diskussion im Wege steht. Aus meiner Sicht klingt er so, als könnte derjenige, der ihn äußert, nicht mit Kritik umgehen. Ich denke also, es ist wenig geschickt, wenn man als Cachebesitzer diesen Satz als Antwort auf vorgebrachte Einwände entgegnet. Und sicherlich fällt man in der Geocaching-Community nicht gerade positiv damit auf, wenn man den Eindruck vermittelt, als ob man sich nichts sagen lassen wollte…

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: