Wann Caches archivieren?

Wer einen Cache auslegt, macht sich zunächst wahrscheinlich wenig oder gar keine Gedanken dazu, wann der Cache ausgedient haben könnte und archiviert werden sollte. Im Folgenden einige Überlegungen dazu, in welchen Fällen ein Cache ins Archiv gehört. Archivieren bedeutet, dass ein Cache nicht mehr als verfügbar/suchbar in Listen auftaucht; seine Beschreibung (sowie die zu diesem Cache verfassten Einträge) kann aber immer noch eingesehen werden, er wird also nicht aus der entsprechenden Datenbank gelöscht.

Lebensdauer eines Caches
Eigentlich hätte ich gedacht, dass die Antwort auf familysearchs Umfrage im grünen Forum („Wann beerdigt ihr eure caches?“) selbstverständlich wäre: am liebsten nie (von Events abgesehen). Und tatsächlich entscheiden sich auch fast 3/5 der Teilnehmer für diese Antwortmöglichkeit. Interessant ist, dass noch ein knappes Viertel abstimmt, dass ein Cache nur dann archiviert wird, wenn er ihnen nicht (mehr) gefällt. Nur eine Minderheit hängt wenig an den eigenen Caches und findet, dass sie irgendwann ausgedient haben oder Archivierung ein normaler Fall von Cachepflege ist.

Ich schließe mich der Mehrheit an: Ich versuche einen Cache so auszulegen, dass er möglichst lange erhalten bleibt. Die Überlegung, wie „gefährlich“ eine Location für einen Cache ist, spielt für mich eine große Rolle beim Auslegen. Solange sich eine Location als cachetauglich bewährt hat und ein Cache nicht wiederholt verschwunden ist oder nur in größeren zeitlichen Abständen ersetzt werden muss, sehe ich keinen Grund, einen Cache abzubauen. (Bisher habe ich auch nur meine Events regelgemäß archiviert.) Ich finde es schön zu sehen, wie die Zahl der Funde immer weiter steigt. Man gewinnt mit der Zeit ja auch Erkenntnisse über die Vorlieben der Sucher in Bezug auf die Lage/Location, Typ und andere Aspekte von Geocaches. Als Sucher finde ich es auch faszinierend, Original-Logeinträge von mehrere Jahre alten Geocaches lesen zu können. Wie ich sehe, sind viele Geocacher im Forum derselben Ansicht.

Man muss natürlich damit rechnen, dass das Besucheraufkommen an einem Cache gewissen natürlichen Schwankungen unterliegt: die erste Ansturmswelle wird von den lokalen FTF-Jägern geprägt sein; nach und nach arbeiten aktivere Geocacher der näheren Umgebung in Abhängigkeit vom Wetter und anderen Faktoren den Cache von ihrer To-Do-Liste ab; und schließlich kommen in unregelmäßigen Abständen nur noch Geocacher zu Besuch, die gerade in der Gegend sind. Je nachdem, wie der Cache gestaltet ist, bietet er sich mehr oder weniger für Auswärtige an. Ein nahe an einer Autobahn gelegener Tradi wird sehr viel eher attraktiv für Geocacher auf der Durchreise sein als ein aufwändigerer Innenstadt-Multi.

Wenn der Punkt erreicht ist, dass nur noch alle paar Wochen oder Monate sich mal ein einzelner Geocacher zum Versteck verirrt, scheinen manche Ausleger das Gefühl zu haben, dass ein Cache ausgedient hat. Ich finde, das muss nicht sein, solange er nicht zu viel Wartungsarbeit macht. Ein Cache braucht doch nicht nur dann seinem Besitzer Spaß machen, solange er regelmäßig und häufig gefunden wird. Er kann auswärtigen Geocachern, die erstmal die Caches in ihrer näheren Umgebung angehen, immer noch viel Spaß machen, wenn sie in die Gegend kommen. Für sie ist der Cache dann noch genauso gut wie zu dem Zeitpunkt, als er neu war. Vielleicht haben sie sich schon lange auf gerade diesen gefreut. Insofern leidet ein Cache aus Sicht der Sucher eigentlich nicht unter Attraktivitätsverlust. Als Sucher sollte man ja auch davon ausgehen dürfen, dass ein Cache eine ganze Weile verfügbar ist:

When you report a cache on the Geocaching.com web site, geocachers should (and will) expect the cache to be there for a realistic and extended period of time. Therefore, caches that have the goal to move (“traveling caches”), or temporary caches (caches hidden for less than 3 months or for events) most likely will not be listed.
[Auszug aus den GC-Guidelines: Cache Permanence]

Es nimmt wahrscheinlich nur die Zahl der potentiellen Sucher eines Caches ab. Allerdings gibt es ja auch in der eigenen Gegend immer wieder Neulinge.

In welchen Fällen gefällt ein Cache dem Besitzer nicht (mehr), und warum? Hat er seine Idee nicht gut umgesetzt bekommen? Ist der Cache zu defektanfällig und macht zu viel Wartungsaufwand, liegt nicht sicher genug und wird öfter geklaut? Hat sich die Location verändert, ist nun zum Beispiel stark vermüllt?
Wie gesagt, die Anzahl der Besuche würde mich nicht zum Archivieren verleiten; wenn mir mein Cache nicht gefällt, zum Beispiel, weil er wiederholt verschwunden ist, versuche ich zunächst das Problem zu beheben (wie z. B. bei Münster Hbf). Funktioniert das nicht, kann man immer noch über Archivierung nachdenken. Es muss auch gesagt werden, dass es bei manchen Caches in der Natur der Sache liegt, dass sie wenig besucht werden, z. B. beim D5-Mystery; darum ist der Spaßfaktor für die Finder nicht geringer, vielleicht sogar höher! Gedanken würde ich mir eher dann machen, wenn den Besuchern der Cache nicht gefällt (z. B. „langweilige Location“).

Fälle fürs Archiv
In den folgenden Fällen scheint es mir angebracht, einen Cache zu archivieren. Grob gesagt ist das dann der Fall, wenn sich ein Problem nicht durch Nachbessern oder Verlegen eines Caches lösen lässt.
Zum Beispiel:

  • Bei Unattraktivät des Caches:
    Ein Cache kommt bei der überwiegenden Mehrheit der Sucher aus bestimmten Gründen nicht gut an. Sind die Meinungen hingegen geteilt, könnte man alles beim Alten belassen oder nur ein wenig nachbessern.
  • Bei starker Veränderung der Location:
    Ein extremer Fall wäre z. B., wenn ein Wald einem Fabrikgelände weichen muss…
  • Bei Regelverstößen:
    Entspricht ein Geocache nicht den Regeln, was durch kleine Nachbesserung nicht behoben werden kann, gehört er archiviert. Dies kann z. B. der Fall sein, wenn er zu dicht an anderen Caches liegt, so dass es zu versehentlichen Funden des falschen Caches kommen kann.
    Ein anderer Fall: die Location ist zu gefährlich, etwa weil ein Cache zu dicht an einer stark befahrenen Bahnlinie liegt. Da gehört ganz sicher kein Cache hin!
  • Bei Umzug des Auslegers:
    Kann ein Owner seinen Cache nicht mehr selber warten, weil er nun zu weit entfernt wohnt, kann er sich zunächst darum bemühen, ortsansässige Geocacher für die Adoption seines/seiner Caches zu gewinnen. (Bei GC kann der Besitz eines Caches an andere Geocacher übertragen werden. Er wird dann aber nicht mehr im eigenen Profil als versteckt aufgelistet.) Vielleicht, wenn der Cache wenig Pflege benötigt, reicht es ja sogar, selber die Wartung durchzuführen, wenn man in größeren Zeitabständen, aber regelmäßig, wieder in der Gegend ist.
    Ist niemand bereit, sich um einen Cache zu kümmern, sollte man den Cache abbauen und archivieren. Einen Cache solange liegen zu lassen, bis er irgendwann geklaut wird, ist nicht schön. Dass der Cache weg ist, wird man erst dann mitbekommen, wenn mindestens ein Sucher ihn nicht mehr gefunden hat und das auch mitteilt.
  • Bei Aufgabe des Hobbys:
    Wer nicht mehr bereit ist, seine Geocaches zu pflegen und keine anderen Cacher für die Adoption gewinnen kann, sollte seine Caches konsequenterweise einsammeln und ins Archiv schicken. Caches, die vergammeln, weil sich keiner darum kümmert, sind ein Greuel. Bis zur Archivierung durch die Reviewer vergehen meist etliche Monate, in denen der Cache eine Karteileiche darstellt. Ein Ärgernis, das nicht sein muss!

Wer kann Caches archivieren?
Grundsätzlich kann der Besitzer eines Caches diesen jeder Zeit archiveren; das gilt für GC, NC und OC. (Bei NC erreicht man das dadurch, dass man in der Beschreibung „Retire?“ von „no“ auf „yes“ setzt.) Darüber hinaus natürlich die Datenbankbetreiber, bei GC (und möglicherweise auch bei NC) außerdem die freiwilligen Reviewer, die Cachebeschreibungen nach Begutachtung freischalten.
In Bezug auf GC muss man wissen, dass Reviewer einen Cache auch zuerst auf „temporarily not available“ schalten können. Im Regelfall macht das der Cachebesitzer selber. Erst in diesem Zustand steht ein Cache unter besonderer Beobachtung. Wenn sich der Owner in einer gewissen Frist (üblich sind meines Wissens 4 Monate, aber in Einzelfällen habe ich auch deutlich kürzere Zeitspannen beobachtet) nicht rührt, „droht“ der Reviewer eine Archivierung an. Kommt der Besitzer der Bitte um Reparierung auch dann nicht innerhalb der nächsten vier Wochen nach, wird der Cache durch den Reviewer archiviert. Ich persönlich finde diese Fristen äußerst großzügig, und mich ärgern Caches, die so lange vernachlässigt werden. Meiner Ansicht nach sollte in der Regel ein Monat reichen, um einen Cache wieder fit zu machen.

Mein Cache ist im Archiv – was nun?
Grundsätzlich kann jeder archivierte Geocache wiederbelebt werden. Also keine Sorge, falls etwas irrtümlich, warum auch immer, im Archiv gelandet ist, der Cache ist damit nicht verloren. Allerdings kann (bei GC) nur ein Reviewer den Cache wieder freischalten.

Wann sollte man SBA (nicht) posten?
Zum Schluss muss noch die Frage geklärt werden, wann man als suchender Geocacher vorschlagen sollte, dass ein Geocache ins Archiv wandert, und wann nicht. Der dafür benötigte Logtyp ist „needs archived“, damit werden auch die Reviewer alarmiert. (SBA hat sich in der Cacher-Fachsprache als Abkürzung für „should be archived“ eingebürgert.)
Wenn wir die obige Liste der „Fälle fürs Archiv“ betrachten, bleiben eigentlich nur zwei Aspekte übrig: entweder ist ein Cache nicht regelkonform (Abstandsproblem, Gefährlichkeit), oder aber er wird durch seinen Besitzer stark vernachlässigt. Die anderen Fälle (z. B. Location zu langweilig) sollten im Ermessen des Besitzers liegen.
Ein „needs archived“ gehört nicht gepostet, wenn
– einem der Cache nicht gefallen hat,
– man einen Cache für nicht findbar hält (ich nenne das „D6-Cache“),
– der Cache Wartung benötigt
(dafür gibt es den Logtyp „needs maintenance“),
– die Beschreibung fehlerhaft ist, oder
– aus wie auch immer gearteten persönlichen Gründen…

Ich rufe ja immer dazu auf, beim Logschreiben an die Cacher nach Euch zu denken; insofern haltet Euch nicht zurück, wenn Ihr der Meinung seid, dass ein Cache nicht regelkonform ist oder von seinem Owner vernachlässigt wird. Es nützt keinem, wenn offensichtliche Probleme nicht angesprochen werden.
Trotzdem sollte gelten, dass ein „needs archived“ nicht zu leichtfertig angewendet werden sollte. Das sollte die Ausnahme bleiben. Man muss auch damit rechnen, gerade bei Anfängern, dass sie sich schnell auf den Schlips getreten fühlen. Bevor man mit dieser Methode den Owner bei den Reviewern anschwärzt, kann es sinnvoller sein, zunächst per E-mail anzufragen, ob/wann ein Cache wieder ausgelegt werden soll. Kommt keine Reaktion, kann man immer noch zu SBA greifen.

4 Antworten to “Wann Caches archivieren?”

  1. West468 Says:

    Zum Thema „SBA“ im blauen Forum

    Und im grünen Forum (Franken) läuft zur Zeit eine intensive Debatte um die Fichtelwichtel-Caches, die der Besitzer alle archiviert hat…
    Zweiter Thread dazu.
    Das Thema hat auch die G-e-c-k-o-s beschäftigt.

    [Nachtrag 2006-07-25] Irgendwie habe ich den Eindruck, in dieser Diskussion scheint die Meinung zu herrschen, Caches dürften grundsätzlich nicht in Naturschutzgebieten liegen. Wieso eigentlich? Mein Nienberge-Cache liegt auch in einem solchen, das war mir beim Auslegen wohl bewusst. Beschwerden deswegen hat es keine gegeben. Suchen und Heben kann meines Erachtens dort problemlos erfolgen, da der Cache direkt am Weg liegt. Archivierung halte ich dort nicht für nötig.

    [Nachtrag 2006-07-28] Interessant in diesem Zusammenhang, wenn auch ein wenig off-topic, ist der Thread Found Log ohne den cache gefunden zu haben???? im grünen Forum, in dem u. A. diskutiert wird, wann ein „Needs maintenance“ zu posten angebracht ist und wann nicht (etwa bei „normalem“ DNF).

  2. West468 Says:

    Ich bin eben mal auf die Idee gekommen auszuprobieren, ob man bei NC das „Retire cache?“ auch selber wieder rückgängig machen, sprich von „yes“ auf „no“ setzen kann. Hat funktioniert!

    Wenn man das selber so einfach machen kann, wäre zu überlegen, ob man den Cache während einer Wartungspause, in der die Beschreibung bei anderen Datenbanken „disablet“ würde, vorübergehend ins Archiv schickt und ihn anschließend wieder hervorholt.

    Nachteil: In dieser Zeit bekäme niemand, der den Cache nicht sowieso schon kennt, von seiner Existenz etwa mit.

    Vorteil: Wer die Cachebeschreibungsseite aufruft, sieht mit einem Blick, dass der Cache nicht verfügbar ist.

  3. West468s Geocaching-Weblog » Blog Archive » Eure Fragen Says:

    […] Wie löscht man seinen cache Caches aus der Datenbank zu löschen ist normalerweise nicht möglich. Bei OC habe ich mal einen Cache geloggt, der später komplett aus der Datenbank verschwand (er wurde von Hand von einem Administrator entfernt, der Benutzer kann das nicht selber machen), weil sein Besitzer die Plattform nicht länger nutzen wollte. Üblicherweise spricht man davon, dass Caches archiviert werden. Dies bedeutet, dass sie bei Suchabfragen nicht mehr länger als findbare Caches erscheinen, aber ihre Beschreibungen können noch eingesehen werden, und die Finder behalten ihre für diesen Cache gesammelten Punkte. […]

  4. Eunoia Says:

    Gibt es eigentlich eine Statistik (Histogram?) über die Lebensdauer von Caches? Wurde mich interessieren…

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