Fehlerhafte Beschreibungen und falsche Labels

Wer eine Weile beim Geocaching dabei ist, hat das mit Sicherheit schon erlebt: fehlerhafte Cachebeschreibungen, die dazu führen, dass man entweder ein Versteck nicht findet oder von Dingen überrascht wird, auf die man nicht richtig vorbereitet war.
Wir sind alle nur Menschen, und Menschen machen Fehler. Trotzdem ließen sich viele Probleme mit relativ einfachen Mitteln im Vorfeld vermeiden. Im Folgenden möchte ich auf ein paar potentielle Problemstellen hinweisen.

1. Falsche Koordinaten in der Beschreibung (Eingabefehler)
Einmal die falsche Ziffer erwischt bei der Eingabe der Koordinaten des Listings, und Euer Cache erscheint auf Karten womöglich über 100 Kilometer entfernt von seinem Standort und wird von den in der Nähe ansässigen Cachern gar nicht bemerkt. Diejenigen, die ihn mit den angegebenen Koordinaten suchen, werden ihn nicht finden. Ärgerlich und vermeidbar. Zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber es ist nicht so, dass ich das noch nicht beobachtet hätte…
Man kann es nur immer wieder betonen: Cachebeschreibungen, auch wenn es ein vermeintlich einfacher Tradi ist, sollten schon zu Hause gelesen und eine Suche ordentlich vorbereitet werden. Dabei lassen sich zum Beispiel Auffälligkeiten erkennen, die dafür sprechen, dass der Cache nicht an den angegebenen Koordinaten liegt, etwa: der auslegende Geocacher ist ortsfremd; sein neuer Cache soll bei N 52° XY‘ sein, während seine anderen in der Nähe von N 53° XY‘ liegen; der neue Cache ist Teil einer Serie, die in einer anderen Stadt angesiedelt ist, o. Ä. Wer sofort losrennt, hat vor Ort womöglich das Nachsehen.
Besonders solche Geocacher, die scharf darauf sind, sich den Titel FTF zu sichern, können Pech mit Fehlern in der Beschreibung haben. Das gilt insbesondere für Offsetcaches – es scheint mir leider eher die Regel als die Ausnahme zu sein, dass neue Caches fehlerhafte Aufgaben enthalten. Je früher man einen Cache angeht, desto eher muss man mit problematischen Beschreibungen rechnen.
Daher: wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte sich lieber mit Caches beschäftigen, die schon mehrfach problemlos gefunden wurden, oder bei denen etwaige Fehler inzwischen ausgemerzt wurden.
Aber selbst völlig falsche Koordinaten müssen nicht das Ende der Suche bedeuten. Mit ein wenig Erfahrung kann man schnell erahnen, wo ein Fehler liegt. Ergibt zum Beispiel die Berechnung der Minutenangabe einer Koordinate keinen Sinn, kann man einfach mit der plausibelsten Möglichkeit weitersuchen (z. B. die Minutenangabe der letzten Station oder des aktuellen Standorts nehmen), und wenn das nicht zum Ziel führt, probiert man +/- 1 Minute… So hat man durchaus noch die Chance, fündig zu werden.
Außerdem ist es nicht immer nötig, alle Variablen zu wissen.😉
(Ich bin mal bei einem Cache von Station 1 zu Station 6 gelaufen, habe mir dort die für die Berechnung des Finals nötigen Daten verschafft und habe den Cache als erster gehoben. Die Sucher nach mir haben einen DNF wegen eines Fehlers in der Beschreibung gepostet…😀 Bei einem anderen Cache habe ich eine 35-Kilometer-Tour mit ca. 20 Station auf wenige Kilometer reduziert, weil ich nach einigen Stationen bereits die Koordinaten des Caches berechnen konnte.😉 Beide Cacherouten habe ich aber nachträglich noch komplett absolviert.)

2. Sehr ungenaue Koordinaten (schlampig gemessen, und/oder schwierige Empfangsbedingungen)
Abhängig vom Gelände können 25 Meter daneben liegende Koordinaten schlimmer sein als wenn z. B., wie im obigen Falle, ein recht offensichtlicher Eingabefehler passiert ist und die Koordinaten viele Kilometer daneben liegen.
Daher: Mühe geben beim Ausmessen (mehrfach messen, Gerät länger an einem Ort liegen lassen, wenn möglich mit mehreren Geräten messen, ggf. Mittelwert bilden), auch oder gerade unter schwierigen Empfangsbedingungen! (Gilt im Übrigen nicht nur für den Ausleger, sondern auch die Suchenden!) Wenn nötig, weitere hilfreiche Hinweise oder Fotos in die Beschreibung aufnehmen!
Den Suchern kann ich nur die Tipps aus Strategien beim Suchen ans Herz legen (z. B. Kreuzpeilung und Intuition verwenden).

3. Ungenaue Aufgabenstellungen
Hier gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: entweder die Aufgabe ist (unabsichtlich) mehrdeutig formuliert (‚Wie viele Bretter haben die beiden Bänke?‘ – ‚Beide haben jeweils 6‘ oder ‚Zusammen sind es 12‘), oder aber das zu ermittelnde Ergebnis ist nicht eindeutig (‚Lies die Zahl auf dem Schild ab‘ – es gibt zwei Zahlen oder zwei Schilder).
Dass man seine Aufgabe so formulieren sollte, dass vor Ort klar ist, welches Schild (oder was auch immer) gemeint ist, sollte eigentlich selbstverständlich sein (Tipp: die Stationen mit der Digicam fotografieren, damit man sie bei Ausarbeitung der Beschreibung betrachten kann). Um sprachliche Mehrdeutigkeiten zu vermeiden, braucht man schon ein wenig Sprachgefühl.
In jedem Falle ist es sicherlich keine schlechte Idee, die Aufgabenstellungen von anderen Geocachern vor der Veröffentlichung eines Caches auf mögliche Missverständnisse hin überprüfen zu lassen („Beta-Test“).

4. Falsche Größenangabe
Man könnte meinen, dass es kein großes Problem darstellt, ob ein Cache nun z. B. als small oder regular gelabelt ist. (Schließlich gibts auch Caches, bei denen man gar nicht weiß, wonach man eigentlich gerade sucht.) Tatsächlich kann eine falsche Größenangabe durchaus sehr irritierend sein; die Suche nach einem Micro geht man doch anders an als nach einem Regular. Wer also nach einem Micro sucht, kann auch einen Regular übersehen… (Tunnelblick?)😉

5. Unrealistische D- und T-Bewertungen
Über die Schwierigkeits- und Geländeeinschätzungen kann man natürlich vortrefflich streiten. Ein guten ersten Anhaltspunkt liefert das Geocaching Rating System (auf Deutsch: Bewertungssystem für Geocaches). Mit wachsender Erfahrung gewinnt man ein gutes Gespür für die Bewertungen, so dass man die verlinkten Hilfsmittel eigentlich nicht mehr braucht; ich finde es trotzdem manchmal interessant, Unterschiede zum eigenen Empfinden aufzudecken. Man muss natürlich dazu sagen, dass so ein System nicht allen praktischen Gegebenheiten Rechnung trägt: ein guter erster Anhaltspunkt, wie gesagt.
Insgesamt sind bei den meisten Caches die Bewertungen schon recht gut und realistisch, so dass man eine grobe Orientierung hat, was einen erwartet. Gerade bei neueren Caches kann es aber vorkommen, dass der Cachebesitzer die Schwierigkeit zum Beispiel deutlich unterschätzt hat. Ohnehin fällt die Angabe der Schwierigkeit noch subjektiver aus als die der Geländeschwierigkeit. Und, je nach Tagesform, habe ich bei mir wiederholt beocachtet, dass ich mich manchmal gerade mit vermeintlich einfachen Caches schwertue und auch andersherum, dass ich bei schwierigeren Caches sehr schnell fündig werde.
Wenn man allerdings nach einem DNF und einem Hinweis des Owners immer noch ne halbe Stunde zum Finden braucht, kann man wohl mit Sicherheit sagen, dass es kein D 1,5-Cache ist, auch wenn ihn andere innerhalb von 5 Minuten finden konnten.

6. Falscher Cachetyp
Heikel wird es auch, wenn der angegebene Cachetyp nicht stimmt. Klar, liest man (wie von mir oben gefordert) die Beschreibung zu Hause durch, weiß man ja in der Regel, was einen erwartet. Dennoch kann es durch falsch gelabelte Caches zu unnötigen DNFs kommen.
Der klassische Fall: ein als Traditional gekennzeichneter Cache entpuppt sich vor Ort als Multi (oder Mystery). Manchmal hat man auch Mystery-Caches, die als Multis gekennzeichnet sind oder umgekehrt. Bestimmt gibt es noch mehr Formen von Verwechslungen. Auch mir ist es schon passiert, dass ich mir in Erwartung eines (echten, nicht nur so gelabelten) Traditionals nur die Koordinaten notiert habe und vor Ort zum Telefon greifen musste, um mir die weiteren Aufgaben (des heimlichen Multis) durchsagen zu lassen.😡
Gelegentlich werden Begründungen angeführt wie: ‚Mein Cache hat doch nur 2 Stationen, das ist doch gar kein richtiger Multi, sondern ein Tradi‘, oder: ‚Mein Cache ist es nicht wert, Mystery genannt zu werden, den findet man doch ganz schnell mit dem Hinweisfoto‘ o. Ä.
Schwierigkeit und Aufwand ist für die Wahl des Cachetyps kein Kriterium, dafür gibt es ja schließlich die D-Bewertung. Es gibt einfache und schwere Traditionals, schnelle und aufwändige Traditionals, und für jeden anderen Cachetyp gilt im Prinzip dasselbe.
Bei der Wahl des Cachetyps geht es um die Art, wie man zum Cache gelangt, und in der Hinsicht sind die Guidelines auch stimmig: Bei einem Traditional ist es zwingend erforderlich, die Koordinaten des Caches, des Verstecks anzugeben.
Vor dem Einstellen eines Caches sollte man sich schon mit den Guidelines auseinandergesetzt haben. im Zweifelsfall lassen sich mit den Reviewern auch sinnvolle Lösungen aushandeln.
Vielleicht versteht jetzt der eine oder andere besser, dass falsch gelabelte Caches ein echtes Ärgernis darstellen und die Wahl des korrekten Cachetyps nicht nur unsinniger bürokratischer Aufwand ist…

7. Wenig sinnvolle Hints
Der Klassiker: „An einem Baum“ (im Wald – ‚Aha!‘, sag‘ ich da nur…).
Bei sehr vielen Caches stellt man fest, dass der verschlüsselte Hinweis a) entweder völlig überflüssig oder nicht hilfreich ist oder b) Dinge im Hint stehen, die nicht dorthin, sondern in die Cachebeschreibung gehören.
Der „additional hint“ soll dazu dienen, Leuten an einer Station oder am Cacheversteck selbst auf die Sprünge zu helfen, die Schwierigkeiten haben, das Versteck zu finden. Wer zu bequem ist, den Hinweis vor Ort zu entschlüsseln, kann ihn auch schon entschlüsselt ausdrucken (habe ich auch schon öfters gemacht, habe ihn dann bei der Suche aber meist nicht im Kopf – erst, wenn ich nachgucke😉 ). Idealerweise gibt der Hinweis einen Anstoß, ohne zu viel zu verraten. Auch ein Foto kann diesen Zweck erfüllen.
Achtung: Wenn man einen Cache verlegt hat, daran denken, Hint und/oder Fotos mit Bezug auf den neuen Standort des Caches zu aktualisieren!

Zwei Appelle möchte ich loswerden:
➡ An die Suchenden: Scheut Euch nicht, auf Punkte hinzuweisen, die aus Eurer Sicht unstimmig sind; das ist in jedem Fall im Sinne derjenigen, die nach Euch den Cache angehen. Zum einen sollte das in Eurem Log stehen, damit die nächsten Besucher im Bilde sind, zum anderen könnt Ihr Eure Ansichten per Mail mit dem Cachebesitzer diskutieren.
Außerdem besteht im blauen Forum die Möglichkeit, die Reviewer auf falsch gelabelte Caches aufmerksam zu machen. Alternative: E-mail an den Reviewer, der den Cache freigeschaltet hat.

➡ An die Ausleger: Überprüft Euren Cache und Eure Beschreibung gründlich, bevor Ihr die Sucher auf ihn loslasst. (Beachte: Cachequalität: Was ist zu beachten beim Verstecken?)

  • [ ] Richtige Koordinaten in der Beschreibung?
  • [ ] Koordinaten genau genug ausgemessen?
  • [ ] Sind die Aufgaben eindeutig/unmissverständlich formuliert?
    [ ] Sind die Ergebnisse eindeutig?
  • [ ] Passende Cachegröße angegeben?
  • [ ] Realistische D- und T-Bewertungen angegeben?
  • [ ] Korrekter Cachetyp gewählt?
  • [ ] Hilfreiche Hints angegeben, falls nötig?

Und: Wenn Anmerkungen kommen, dann seht diese als Hilfsbereitschaft der suchenden Geocacher an (immerhin haben sie sich die Mühe gemacht, mehr als „TNLNSL, TFTC“ zu schreiben), auch wenn sie vielleicht nicht in angemessener, höflicher Form vorgetragen wurden. Kritik nicht persönlich nehmen!!

2 Antworten to “Fehlerhafte Beschreibungen und falsche Labels”

  1. West468s Geocaching-Weblog » Blog Archive » Cache-Mischtypen Says:

    […] In seinem Beitrag “Rätselhafter Multi gleich Mystical [sic]?” macht sich mity! von den Cache-Test-Dummies Gedanken darüber, dass manche Cachebesitzer nicht sinnvoll unterscheiden zwischen Multi und Mystery. Wenn Caches falsch gelabelt werden, was leider auch den Reviewern häufig nicht auffällt, kann das dazu führen, dass man sich entweder zu Hause den Kopf über ein Rätsel zerbricht, das vor Ort zu lösen gewesen wäre, oder umgekehrt, dass man einen Cache anfährt, nur um festzustellen, dass man ohne vorherige Recherche nicht weiterkommt. Also nochmal zum Mitschreiben: […]

  2. West468 Says:

    Die Sache mit dem Hint lässt familysearch im Geoclub diskutieren.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: