Cacheserien – Seriencaches?

Ein Phänomen, auf das man unweigerlich früher oder später stößt, wenn man sich mit Geocaching beschäftigt, sind so genannte Cacheserien. Ich habe eine eher skeptische Einstellung dazu, auch wenn es gut gemachte und sehr beliebte Serien gibt.
Grundsätzlich gibt es natürlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Caches unter ein bestimmtes Thema gestellt werden. Und wenn ein Cache aus irgendeinem bestimmten Grund gut angekommen ist, kann man ja weitere Caches legen, die ähnlich aufgebaut sind (so geschehen zum Beispiel bei den couch potatoes „Harte Nuss“, „Harte Nuss II“ und „Harte Nuss III“) – vorausgesetzt, die örtlichen Verhältnisse geben das her. Generell sehe ich aber lieber jeden Cache als Einzelstück.
Meiner Ansicht nach ist die Gefahr relativ groß, dass eine Serie zum Selbstzweck wird und mehr oder weniger das einzig rechtfertigende Element eines Caches ist und somit den Cachebesitzern das Auslegen zu einfach macht. Das finde ich persönlich schade und wenig kreativ. Von vornherein eine Serie zu beschließen, womöglich ohne konkrete Locations im Hinterkopf, halte ich für problematisch.
Ganz schlimm finde ich sowas wie: „{Nichtssagender Serienname} 1“, „{Nichtssagender Serienname} 2“, usw. Hier wäre es viel sinnvoller gewesen, die einzelnen Caches mit vernünftigen Namen auszulegen, auch wenn dann keine formale Einheit einer Serie bestanden hätte. Was ist so wichtig an der Serie? Dass sie einem die Arbeit beim Ausdenken interessanter Cachenamen abnimmt, weil man die Caches nur noch nummerieren muss?!

Im folgenden einige Beispiele, was mir in Bezug auf Cacheserien bisher aufgefallen ist.

  • Ein sehr prominentes Beispiel mit inzwischen großer Verbreitung ist die Gotteshäuser-Serie. An sich eine sehr schöne Idee, gehören Gotteshäuser meistens doch zu den architektonisch spektakulärsten Gebäuden, die eine Stadt zu bieten hat (im Gegensatz zu so manchen Bahnhöfen z. B.); insofern sind Caches dieser Serie sicher sowohl für Einheimische wie Ortsfremde interessant. Bemerkenswert ist, dass bei dieser Serie großer Wert auf formale Einheitlichkeit gelegt wird: ein einleitender Text ist wortwörtlich in die eigene Beschreibung zu übernehmen.
    Was aber mit Kirchencaches, die es schon vor der Serie gab? Sollen die nachträglich der Serie hinzugefügt werden? Und kann man auch neue Caches einrichten, ohne sie der Serie hinzuzufügen? Vollständigkeit kann sicher nicht das Ziel der Serie sein, sondern lediglich, das Auslegen von Caches an Gotteshäusern, die „entweder historisch oder architektonisch eine Besonderheit darstellen“ (!!!), zu fördern. Was als Besonderheit gilt, ist natürlich Ansichtssache. Ist jedoch eine kleine x-beliebige Dorfkirche, wo der Sohn/die Tochter/das Enkel- oder Patenkind getauft wurde, für andere so interessant, dass man hier einen Cache auslegen muss? Ich meine nein.
    Braucht man überhaupt Serien, die das Auslegen von Caches fördern? In weiten Teilen Deutschlands kann man sich doch über einen Mangel an Caches nicht beklagen. Würde die beeindruckende Kirche X in Y nicht ohnehin mit einem Cache bedacht? Würde ein interessierter Geocacher diese Kirche nicht ohnehin besuchen, wenn er den Cache ein paar hundert Meter weiter macht?
  • Ebenfalls sehr verbreitet ist die Serie Bahnhofscaches, die im Mai 2005 in Bremen ihren Ursprung hatte. Auch ich habe ja den Bahnhof in Münster mit einem Micro vercacht. Im Grunde ist dies eigentlich der Cache, der mir von meinen am wenigsten gefällt, und bisher der einzige, der einen schlechten Start hatte und den ich verlegt habe.
    Was mir an der Bahnhofscache-Serie missfällt, ist zum einen, dass Bahnhöfe, im Gegensatz etwa zu den Gotteshäusern, häufig sehr unansehnlich sind. Sicher gibt es für kleinere Kinder vielleicht den einen oder anderen Zug zu bestaunen, aber für Geocacher, die jeden Cache in ihrer Reichweite finden wollen (ich gehöre auch zu diesem Geocacher-Typ), ist es sicher wenig reizvoll, an den örtlichen Bahnhof gelockt zu werden. Erst recht, wenn man dort ohnehin öfters unterwegs ist. Zum anderen ist es der Gedanke, Caches einzurichten, um Geocachern die Langeweile am Bahnhof zu vertreiben. Wenn dies das Motiv für Geocaches ist, dann kann man genauso gut jede beliebige andere uninteressante Stelle (Bushaltestellen?) mit einem Cache zupflastern. Hauptsache, der gelangweilte Geocacher hat etwas zu tun. Das hat wenig mit dem ursprünglichen Gedanken von Geocaching zu tun, Leute an ungewöhnliche, besondere Orte zu führen, ja ist diesem praktisch diametral entgegengesetzt.
    Eigentlich müsste ich meinen eigenen Bahnhofscache konsequenterweise archivieren. Aber da er nun mal häufig geloggt wird… Münsters Bahnhof ist sicherlich keine echte Attraktion. Ich habe meinen Cache damals ausgelegt aus der Überlegung heraus, dass die lebenswerteste Stadt der Welt ebenso wie andere Städte einen Bahnhofscache zu bieten haben sollte. Und wenn ich es nicht gemacht hätte, wäre so ein Cache sehr wahrscheinlich von einem anderen Geocacher ausgelegt worden. Also bleibt jetzt erstmal alles beim Status quo. In einem Log wurde gefragt, ob mein Cache auch zu der Bahnhofserie gehört. Nun, ich weiß nicht, was ich darauf sinnvoll antworten soll. Selbstverständlich ist mein Cache ebenso wie viele andere ein typischer Bahnhofscache: ein traditioneller Micro mit relativ niedrigem Schwierigkeitsgrad, bei dem die größte Herausforderung darin besteht, nicht von Muggels beobachtet zu werden. Ich hielt es aber nicht für nötig oder angebracht, durch das Verlinken anderer Bahnhofscaches in der Cachebeschreibung eine formale Verbindung zu einer Serie auszudrücken.
  • Eine weitere Erscheinungsform stellen Caches dar, deren Locations so ausgewählt wurde, dass die Formation ihrer Koordinaten auf einer Karte betrachtet ein Muster ergibt; so ähnlich wie Geodrawing. Die Idee ist an sich ja ganz nett, doch man sollte bedenken, dass man in der Regel Schwierigkeiten haben dürfte, gescheite Verstecke für seine Caches zu finden, wenn der Standort durch das gewünschte Muster schon vorgegeben ist. Da wird man viele Kompromisse eingehen müssen. Kommen dabei wirklich gute Caches raus? Ich wage es zu bezweifeln. Eine zweite Voraussetzung für so ein Unterfangen ist, dass man genug Platz in einem Gebiet hat, damit die zusammengehörigen Caches als Einheit erkennbar sind. Legen andere Geocacher in der Nähe der Formation neue Caches, ist das Muster irgendwann nicht mehr als solches zu erkennen.
    In meinen Augen ist das Malen von Motiven durch Geocache-Koordinaten in einigen Fällen arg übertrieben worden. Aufgrund der heutigen Cachedichte dürfte es ohnehin schwierig werden, genug unvercachtes Gebiet für so ein Unterfangen zu finden. Ich sehe wenig Sinn darin, diese Idee weiterzufolgen.
  • Ein noch relativ unerfahrener Geocacher legt in kurzer Zeit mehrere Caches aus, die Teilinformationen enthalten zum Lösen eines weiteren (Bonus-)Caches, der bereits in den Beschreibungen verlinkt, aber noch nicht eingerichtet und somit nicht freigeschaltet ist. Auf den Abschluss dieser Serie wartet man auch Monate später noch vergeblich…
    Warum gleich eine Serie kreieren, wenn diese noch nicht einmal fertig ausgelegt wird? Oder war der Bonus-Cache womöglich nicht regelkonform? Man mag hier einwenden, dass das Problem hier weniger bei der Serie als vielmehr beim auslegenden Geocacher liegt; es zeigt aber auch, dass eine Serie sorgfältig geplant werden sollte… Zudem scheint es mir kein Einzelfall zu sein, dass Owner vor Abschluss ihrer Serie die Lust daran verlieren. Sehr schade.
  • Zwar keine Serie im eigentlichen Sinne, aber es gibt eine Vielzahl von Caches mit dem Namen „XYs Geburtstagscache“ o. Ä. Es ist ja keine schlechte Idee, einem begeisterten Geocacher einen eigenen Cache zu widmen. Aber das kann man doch auch eleganter lösen, z. B. indem man dem Cache einen interessanteren Namen wie „Höllentour“ oder was auch immer gibt und dann in die Cachebeschreibung „XY zum Geburtstag gewidmet“ schreibt. „XYs Geburtstagscache“ hat für mich als Geocacher irgendwie so einen ausschließenden Charakter, auch wenn ich weiß, dass damit nicht gemeint ist, dass nur das Geburtstagskind den Cache suchen und finden darf.

Hinweis: Es geht mir in keiner Weise darum, irgendwelche Caches oder deren Besitzer zu verunglimpfen, daher habe ich auch keine konkreten Beispiele genannt. Ich möchte diesen Artikel nur als Denkanstoß verstanden wissen.

5 Antworten to “Cacheserien – Seriencaches?”

  1. West468 Says:

    Hört, hört! Wenn ein Geocacher, dessen Motto im Statistikbildchen „every cache is a good cache“ lautet (roli_29), im grünen Forum schreibt, dass ihm die Gotteshäuser-Seriencaches zu viele werden, zeigt das eindrucksvoll, wie übersättigt das Angebot von Geocaches in diesem Bereich ist:

    Mir sind diese Gotteshäuser Micros mitllerweile viel zu viele! Bald hat jede Kirche einen Micro und nicht nur die besonderen Kirchen, wie es eigentlich gedacht ist.

    Aber für Diejenigen, die sonst keine Idee für einen eigenen Cache haben ist das natürlich eine tolle Gelegenheit auch mal was zu verstecken.

    Ich hoffe, das hat bald ein Ende mit den Gotteshäusern.

  2. West468 Says:

    Homer Jay regt im Geoclub zum Nachdenken an zum Thema „Pietät bei Gotteshäusern“. Finde ich gut. Meines Erachtens hat ein Cache-Owner durchaus Verantwortung, wenn es darum geht, wohin er suchende Geocacher mit seinem Cache lotst…

  3. West468 Says:

    Tipp für Cacheserien mit vielen Exemplaren: Häufig kann man sich als Sucher nur noch schlecht erinnern, ob man Cache IV oder Cache VI aus einer Serie von zehn oder mehr Einzelcaches schon gemacht hat.
    Besser wäre es, wenn jeder Seriencache noch einen individuellen Namensbestandteil hat, wenn er schon durchnummeriert sein muss.
    Beispiel: An „Zechencache 15: Heinrich Robert“ wird man sich viel besser erinnern als wenn der Cache nur „Zechencache 15“ hieße.

  4. West468 Says:

    Interessantes zum Thema Cacheserien im Geoclub:
    Zum einen werden dort unsinnige Serien angeprangert, ausgehend von einem Schulhofscache, der Teil einer Serie werden soll. Nun gibt es dazu auch eine Umfrage.
    Zum anderen wird mit dem Altpapiercontainer im Rheinland (No. 1) auf ein Exemplar hingewiesen, bei dem blödsinnige Serien ironisch durch den Kakao gezogen werden.
    Und schließlich wird auf eine neue, sehr interessante Serie bei OC hingewiesen: B&C (Bed & Cache).

    Sinn dieser Reihe ist es, Geocachern, die fern der Heimat zum Geocachen unterwegs sind, ein Quartier zu geben.

    Wie zu lesen ist, haben die GC-Reviewer nichts gegen dieses Konzept einzuwenden, so dass diese Serie auch auf GC veröffentlicht werden kann. Nette Idee!🙂

  5. West468s Geocaching-Weblog » Blog Archive » “Schneller Cache für zwischendurch” Says:

    […] Es wird höchste Zeit, dass ich diesen Artikel schreibe, gewissermaßen aus gegebenem Anlass, dabei liegt mir dieses Thema nicht erst seit der jüngsten Auslegewellen oder meiner letzten Cachetouren auf der Seele: die so genannten “schnellen Caches für zwischendurch”. Es dürfte mittlerweile deutlich geworden sein, dass ich es bei Caches absolut nicht mag, wenn abgekupfert wird (und diese Formulierung liest man wortwörtlich immer wieder), noch dazu, wenn sich damit (aus meiner Sicht) Fehlentwicklungen fortpflanzen. Und in meinen Augen sind diese “Quickies” eine solche, wenig wünschenswerte Entwicklung. Irgendwie bilden diese Art von Caches schon fast eine Cacheserie. Oder kann man da schon von einer Epidemie sprechen? Wenn es nur einige wenige Caches dieser Art wären, würde ich ja gar nichts sagen, aber man liest viel zu häufig in Cachebeschreibungen “Schneller Cache für zwischendurch”. Das hatte ich ja schon mal bei der Besprechung der Cachegrößen angemerkt. […]

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