Geocaching in den Medien

Ein klein wenig Medienschelte muss auch mal sein: Immer wieder stößt man auf Fernseh- oder Radiobeiträge oder Zeitungsartikel zum Thema Geocaching. Die meisten davon sind auch ganz nett gemacht und unterhaltsam, aber aus Sicht eines Geocachers, der sich längere Zeit intensiver mit der Materie beschäftigt hat, sind eine Reihe dieser Beiträge unbefriedigend.

Da sind zum einen die sachlichen Fehler: ein GPS-Gerät ist zum Beispiel nicht gleichzusetzen mit „elektronischem Kompass“. Natürlich gibt es Geräte, die neben vielen anderen Funktionen auch einen elektronischen Kompass haben. Aber das gilt nicht für alle. Wenn in einem Beitrag durchgängig diese Bezeichnung verwendet wird, scheint „Kompass“ wohl synonym zu „Navigationsgerät“ benutzt zu werden, und wegen der Stromversorgung mit Batterien/Akkus ist es dann ein „elektronischer“. Das ist ungefähr so, als wenn man einen Computer „Schreibmaschine“ nennt. Das ist zwar nicht gänzlich falsch, trifft aber nicht den Kern. Ein GPS-Gerät sendet auch nicht, es empfängt.
Natürlich kann man sowohl mit Kompassen („Kompanden“?!) als auch mit GPS-Geräten navigieren, aber im Unterschied zu den erstgenannten zeigt ein GPS-Empfänger nicht nur die Richtung an, in die man sich bewegen soll/will, sondern auch die Entfernung zum Ziel, da es mit Koordinaten arbeitet. Und dazu braucht es teure Satellitentechnik, die Geocaching zu einem Hightech-Sport macht.
Nun erwarte ich natürlich nicht, dass ein Reporter beim Thema Geocaching lang und breit erklärt, was das Global Positioning System ist und wie es funktioniert, zumal viele Leute bereits von den Navigationsgeräten in ihren Autos damit konfrontiert worden sind. Tatsächlich braucht man sich bei den technischen Grundlagen auch nicht im Detail auszukennen, um den Sport erfolgreich betreiben zu können, genausowenig wie man wissen muss, wie das Navi im Auto arbeitet, um es nutzen zu können. Gleichwohl sollte es für einen Journalisten selbstverständlich sein, sich auf dem Gebiet, über das er berichtet, ein wenig schlau zu machen; und da die Komponente „Satellitennavigation“ nun mal grundlegend für Geocaching ist, wird eine verfälschte Darstellung in meinen Augen peinlich für den Berichterstatter und trägt nicht dazu bei, dass sein Bericht positiv aufgenommen wird.

Zum anderen frage ich mich immer wieder, wie die Journalisten eigentlich ihre Recherche zum Thema anpacken und wie sie überhaupt dazu kommen, über dieses Thema zu berichten.
Bei Fernseh- und Radiobeiträgen wird üblicherweise eine Gruppe von Geocachern begleitet, die sich auf Schatzsuche begeben. Damit es auch etwas zu berichten gibt und die Sache/Suche nicht zu schnell vorbei ist, wird meist kein Cache angegangen, von dem die Koordinaten bekannt sind, sondern einer, bei dem erst Stationen abzulaufen sind, um sie sich zu erarbeiten (sprich: Offset- oder Multicache) – was wohl auch den Eindruck verstärkt, das müsste so sein…
Unterwegs haben die Geocacher die Gelegenheit, sich zu den Spaßfaktoren von Geocaching zu äußern, und manchmal wird ansatzweise auf die Vielfalt der Herausforderungen und Cachetypen eingegangen, zum Beispiel, wenn es um besondere Ausrüstung (Kletter- und Abseilcaches) geht.
Das ist alles ganz gut und schön, aber wer die Faszination des Ganzen verstehen will, muss es selbst erleben, denke ich. Hier will ich den Journalisten keinen Vorwurf machen; es ist klar, dass ein zeitlich oder räumlich begrenzter Beitrag nicht die ganze Bandbreite dessen, was Geocaching ist und ausmacht, darstellen kann, bestenfalls können Anreize geschaffen werden, es selber auszuprobieren. Manchen Beiträgen gelingt dies mehr, anderen weniger. Fest steht jedenfalls, dass ein Journalist wenigstens einmal Geocacher bei der Suche begleitet haben sollte, um sich ein Bild für seine Reportage gemacht zu haben.

Vor allem Zeitungsartikel fallen hier öfters negativ auf. Da werden dann lediglich Geocacher interviewt, die noch nicht lange dabei sind und ihre ersten 25 Caches gefunden haben. Das mag vielleicht den Reporter beeindrucken, der keine Vorstellung von der heutigen Cachedichte und Entwicklung des Sports hat; aber mit so einer Anzahl von Funden ist man eigentlich noch ein Neuling. Zwar kein blutiger Anfänger mehr, aber auch noch niemand, der sich im Geocaching gut auskennt. Und die Reportagen werden sicherlich nicht nur für Leute erstellt, die Geocaching noch nicht kennen und vielleicht Gefallen daran finden könnten; sie sollen doch sicher auch interessant sein für Personen, die mit Geocaching etwas anzufangen wissen.
Und da fragt man sich: Wie kommen Geocacher und Reporter zusammen? Hat der Reporter einfach den nächstbesten Geocacher kontaktiert, den er für sein Thema in seiner Nähe finden konnte? Oder haben die noch recht unerfahrenen Geocacher das Bedürfnis, unbedingt der Welt ihr tolles neues Hobby vorzustellen und meinen, damit der Entwicklung des Geocachings etwas Gutes zu tun? Man sollte doch meinen, dass dem Reporter daran gelegen sein müsste, Leute für seine Sache zu gewinnen, die ihm fundierte Informationen liefern und viele spannende Erfahrungen schildern können.

Seltsam finde ich auch, dass häufig von „Schatzsuche für Erwachsene“ die Rede ist. „Die gute alte Schnitzeljagd“, das spielen die Kinder, und wenn es um einen Hightech-Sport geht, dann können sich das wohl nur Erwachsene leisten. Aber trifft dieser scheinbare Gegensatz zwischen Schnitzeljagd für Kinder und Geocaching für Erwachsene den Punkt? Nein, im Gegenteil. Meines Erachtens ist doch das Faszinierende, dass sich die Begeisterung fürs Geocaching quer durch alle Alters- und Berufsgruppen zieht. Da gibt es pensionierte Schuldirektoren, ältere Ehepaare, Studenten, junge Familien mit kleinen Kindern, aber auch ältere Kinder, die ihr eigenes Benutzerkonto und vielleicht sogar ihr eigenes GPS-Gerät haben. Diese bunte Mischung wird so gut wie nie in den Medien thematisiert, ist mein Eindruck.

Hinweis: Ich habe hier bewusst keine Quellen zitiert, da es mir nicht darum geht, irgendwen anzugreifen. Aber die genannten Beispiele habe ich alle, teilweise mehrfach, selber beobachtet. —

Journalisten würde ich empfehlen, unbedingt den Presse-Bereich von http://www.geocaching.de zu konsultieren. Im Presse-Salon gibt es „Basisinformationen“, „Recherchehinweise“, eine „Medien-FAQ“ sowie „Bildmaterial“, gute Grundlagen-Informationen auf einen Blick.
(Presse-Salon des alten GC.de)

Auch andere Bereiche der Homepage wie „Über Geocaching“ sind sehr zu empfehlen, um sich einen Überblick zu verschaffen.
Ein weiteres gutes Mittel zur Kontaktaufnahme mit Geocachern: www.geoclub.de. Dort gibt es viele regionale Unterforen, so dass man gezielt nach aktiven Geocachern einer bestimmten Region für seine Reportage suchen kann.

7 Antworten to “Geocaching in den Medien”

  1. West468 Says:

    Mal wieder ein Artikel zu Geocaching, zu lesen bei spiegel.de:

    Geocaching: Geheimauftrag mit Satellitenunterstützung

  2. West468 Says:

    GC hat (für die USA) einen eigenen Bereich für Presseartikel:
    http://www.geocaching.com/press/.

    Für den deutschsprachigen Bereich ist vor allem die Presseschau von GC.de (Presseschau des alten GC.de) interessant (enthält leider auch „broken links“, dafür aber auch schon mehrere Jahre alte Artikel).
    Leider noch nicht sehr umfangreich ist der entsprechende Bereich im Cachewiki: Medienberichte.

    Bei Geckos-Geocaching findet man auch eine Linksammlung (Downloadmöglichkeit) zu mp3- und Videodateien mit Berichten zu Geocaching.

  3. West468 Says:

    Was hat Sushi mit Geocaching zu tun?

    Seit sich ein paar Münchner Cacher bei einem Nacht-Cache von der Gruppe verabschiedeten, angeblich um Sushi essen zu gehen, sich jedoch in Wirklichkeit kurz darauf an die Gruppe anschlichen und sie mit Silvesterkrachern erschreckten, wird diese Art von Scherz als Sushi bezeichnet.

    Erklärt in einem Artikel des Hochschulanzeigers der Frankfurter Allgemeinen.
    Der Artikel (und Sushi) ist Thema im grünen Forum.

  4. West468 Says:

    Umfrage zum Ansehen unseres Hobbys in der Öffentlichkeit: „Stört es Dich, wenn Geocaching durch [Medien-]Berichte ein schlechtes Image bekommt?“ fragt radioscout im grünen Forum.

  5. West468 Says:

    Team Bramcacher hat seine (oben genannte) Downloadseite für Video- und Audiobeiträge zum Geocaching aktualisiert!
    Noch mehr Videos und mp3s zum Herunterladen!

  6. West468 Says:

    Auch die allseits beliebte Bild-Zeitung hat was über Geocaching geschrieben. Und was lernt uns das? Den Spaten beim Cachen nicht vergessen!🙄

    Entdeckt im Geoclub.

  7. West468 Says:

    Geocaching in der Öffentlichkeit – schadet zu viel Berichterstattung dem Hobby? Kontroverse Diskussion im Geoclub dazu. Thematisiert wird dabei auch die Rolle der Geocacher, die sich für die Berichterstattung zur Verfügung stellen. Natürlich darf da auch der Vorwurf „Geltungsdrang“ nicht fehlen…

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