Das Logschreiben – ehrliche, sachliche Kritik

Bin heute auf ein Thema im blauen (Groundspeak-)Forum gestoßen, zu dem ich hier auch mal gerne meinen Senf abgeben möchte: „Wie Sag Ich Es Dem Cacheowner? Kritik am cache diplomatisch verpacken…“

Nun, (Logs) zu schreiben ist nicht jedermanns Sache. Für mich gehört aber auch dieser Aspekt fest zum Geocaching, und er macht mir Spaß! Man stelle sich vor, was der Sport an Attraktivität verlöre, wenn man nach einer Suche nur noch ein Knöpfchen (gefunden/nicht gefunden) für die Statistik anklicken bräuchte. Es ist unbestreitbar, dass auch der Austausch über das Erlebte der Sache dient. Viele Cacheowner lesen gerne ausführliche Logs zu ihren Caches, und auch suchende Cacher können von den Logs profitieren. Und auch man selber hat viel mehr von einer Schatzsuche, wenn man seine Erlebnisse in Form eines etwas ausführlicheren Logs konserviert. Wer immer nur kaum mehr als „TNLNSL, TFTC“ zu Stande bringt, wird sich später nicht mehr so gut an einen bestimmten Cache erinnern. (Ich lese gern hin und wieder auch meine eigenen Logs zu länger zurückliegenden Caches…)

Kritik, positive wie negative, gehört für mich zum Logschreiben dazu. Schließlich ist es doch interessant für andere, was einen Cache von anderen unterscheidet (und darum gehts bei Kritik) – erst recht, wenn die verschiedenen von Geocachern geschriebenen Meinungen sehr konträr sind. (Das lädt doch wiederum dazu ein, sich selbst ein Bild zu machen.) Was macht ihn besonders reizvoll? Oder warum macht er wenig Spaß?
Es ist mir daher wichtig, stets ehrlich meine Meinung zu schreiben; ich nehme in Kauf, dass ich damit auch mal anecken kann, aber ich bin davon überzeugt, dass dies sowohl für den Cachebesitzer als auch für andere Geocacher am interessantesten/hilfreichsten ist. Und bisher bin ich mit dieser Haltung auch sehr gut gefahren.

Mit Logs der Marke „Schnell gefunden. TFTC“ kann man in der Regel nicht viel anfangen. Man fragt sich doch: ‚Schreibt der Geocacher immer so wenig, so lustlos? Oder will er ausdrücken, dass ihm zu diesem (unter-)durchschnittlichen Cache nichts zu schreiben einfällt? Hatte er nun seinen Spaß oder nicht? Und wenn nicht, was hat ihm nicht gefallen?‘

Ich finde, wenn sich jemand Mühe mit einem Cache gegeben hat, hat er auch verdient, dass man sich ein wenig Zeit nimmt und einen ordentlichen Logeintrag macht. Die gewählte Überschrift für das Diskussionsthema im Forum ist aufschlussreich: sie drückt die Position eines unsicheren Schreiberlings aus, der einerseits gerne etwas Negatives schreiben möchte, sich aber nicht recht traut, dies deutlich zu sagen; er sucht nach Wegen, sich so auszudrücken, dass man ihm keinen Vorwurf machen kann, er sich nicht unbeliebt macht, und der Cachebesitzer trotzdem versteht, was nicht gefallen hat. Das klingt ja, als wäre es eine Zwickmühle.
Es ist in Ordnung, wenn man sich bemüht, seine Kritik so zu formulieren, dass sich der Cachebesitzer nicht persönlich angegriffen fühlt. Leider passiert dies offenbar dennoch sehr schnell. Trotzdem bin ich kein Freund übertriebener Diplomatie. Klartext ist mir lieber, und das heißt doch nicht, dass man deswegend beleidigend wird. Ich denke, man kann (und muss!) sehr wohl zwischen sachlicher Kritik und persönlichem Angriff unterscheiden.
Und man sollte doch nicht davon ausgehen, dass jeder Geocacher für das Auslegen eines Caches automatisch einen dankenden Höflichkeitslog bekommt oder verdient hat! Lob gebührt dem, der sich Mühe gegeben hat, auch das muss man sich verdienen.😉 Mit falsch verstandener Höflichkeit würde das Auslegen einfallsloser Caches nur gefördert, und davon hat eigentlich niemand etwas. Und wenn überall fälschlich gelobt und gedankt wird, wird das ernst gemeinte Lob weniger ernst genommen.

In der Regel fallen meine Logs länger aus, wenn ich etwas zu sagen/schreiben hab, z. B. wenn ich einiges auf meiner Geocaching-Tour erlebt habe oder mir ein Cache gut gefallen hat. Dann schreibe ich gerne ausführlich Lob, und auf Wunsch auch Gedichte.😉 Fällt mein Log ziemlich kurz aus, ist dies ein sicheres Zeichen, dass ich den Cache nicht besonders interessant fand und mir nicht viel zum Schreiben eingefallen ist. Liegt einiges im Argen, schreibe ich dies deutlich, dann wissen der Cacheowner und die Besucher Bescheid. Der Besitzer kann nachbessern und macht es in Zukunft (hoffentlich) besser.
Natürlich ist es in manchen Fällen besser, den Besitzer per E-mail und nicht öffentlich zu kontaktieren; dennoch sollten Logs mit Blick auf die Cache(be)sucher nicht geschönt werden, meine ich.

Also: Mut zur Ehrlichkeit! Man kann sich immer um eine angemessene, sachliche, nicht verletzende Ausdrucksweise bemühen und etwas richtig stellen, wenn man mal über das Ziel hinausgeschossen ist…

11 Antworten to “Das Logschreiben – ehrliche, sachliche Kritik”

  1. lilu9902 Says:

    Was dieses Thema angeht, kann ich West468 nur zustimmen.
    Ich verfüge zwar längst nicht über die Erfahrung wie West468, der immerhin schon über 300 Caches gefunden hat, dennoch hab ich da meine Meinung dazu.
    Auch ich schreibe gerne lange, ausführliche Logs, bringe gern etwas von dem Erlebten mit in meine Logs ein. Sowohl Positives, als auch Negatives. Andersherum finde ich es es schön, mir Logs von anderen Findern durchzulesen, die einen Cache bereits gemacht haben, den ich mir vorgenommen habe. Denn so kann ich mir schneller ein Urteil über einen Cache erlauben. Stehen bereits einige schöne Erlebnisse in den Logs, so ermuntert mich das doch eher dazu diesen Cache zu suchen, als bei einem Cache, der bereits mehrfach negativ erwähnt wird.
    Denn die Logs stellen für mich mit ein Hauptkriterium dar, wonach ich mir Caches aussuche.
    Und wie enttäuscht wäre ich, wenn ein Cache ständig gelobt wird, obwohl er eigentlich gar nicht toll ist, nur weil sich Finder nicht trauen, ihre negative Meinung zu äußern?
    Da wäre ich dann schon ziemlich sauer, denke ich.
    Andererseits sollte Kritik an einem Cache, aber auch angemessen geschrieben werden, und nicht übertrieben werden. Man sollte versuchen sachlich zu bleiben, und nicht unbedingt seine ganzen Emotionen einbringen. Denn ansonsten wirkt der Logeintag vielleicht erschreckender, als es vielleicht ein Anderer empfinden wird.

    Mfg lilu9902

  2. West468 Says:

    Was gehört eigentlich in einen Log-Eintrag?

    Berichtet, was Ihr so erlebt habt, wie Euch die Location(s) und vielleicht auch die Aufgabenstellung gefallen hat/haben, mit wem Ihr unterwegs wart – das macht Euch Spaß zu schreiben und anderen Geocachern und dem Cachebesitzer Freude zu lesen!😉

    – In jedem Falle sollte man erwähnen, was man getauscht hat, dies gilt insbesondere für Reisende. Ich schreibe auch immer die Namen der TBs dazu, nicht nur z. B. „IN/OUT: TB“ oder „+TB -TB“.
    – Ferner sollte auf den Cachezustand (vor allem in Bezug auf den Behälter, Logbuch und Versteck/Tarnung) eingegangen werden, wenn dieser zu wünschen übrig lässt oder der Cache in absehbarer Zeit Probleme bekommen könnte, damit sich der Cachebesitzer möglichst bald – und nicht erst, wenn es zu spät ist – darum kümmern kann.
    – Darüber hinaus kann man auf Koordinaten(un)genauigkeit eingehen oder auf die D- und T-Wertungen, Cachetyp- und Cachegrößenlabels, Entfernungsangaben, Zeitbedarf und Ähnliches, wenn diese vom eigenen Empfinden abweichen.
    – Vermutet man Fehler in der Aufgabenstellung, sollte man diese natürlich auch ansprechen.

    Es ist natürlich eine Ermessensfrage (Stichwort: „common sense“), was man öffentlich in einem Log schreibt und was vielleicht besser in einer persönlichen Mail; generell denke ich aber, dass gewisse Probleme auch öffentlich ausgesprochen werden sollten, im Sinne der Geocacher, die nach einem kommen.

    Im Logbuch vor Ort wenigstens deinen Cacher-Namen, das aktuelle Datum mit Uhrzeit und ggf. Tauschgegenstände eintragen. (Die Zeitangabe ist z. B. nützlich, um festzustellen, wie knapp man sich verpasst hat am Cache…)

  3. West468 Says:

    Im blauen Forum wurde und wird diskutiert, ob Formulierungen wie „… aber leider viel Müll …“ im Log wirklich eine Erwähnung wert sind.

    Nachtrag: Gleiches gilt vielleicht auch für die Erwähnung von Zecken und Mosquitos…😈

  4. West468 Says:

    Achtung beim Hochladen von Fotos!

    Wer Fotos einstellt, sollte darauf achten, dass diese nicht unabsichtlich zu einem Spoiler werden. Wer einen Cachebehälter knipst, sollte daraufgeschriebene Koordinaten mit Laub abdecken oder am PC das Foto bearbeiten, bevor es hochgeladen wird.

    Gleiches gilt auch bei Trackables: die Tracking-Nummer sollte nicht erkennbar sein. Also entweder den TB oder den Geocoin von der anderen Seite aufnehmen, oder die Nummer auf dem Foto unlesbar machen. Ein ganz simples Grafikprogramm wie MS Paint reicht für diesen Zweck völlig aus.

    Bedenkt, dass der Cacheowner oder der Besitzer eines TBs oder Geocoins nicht die Möglichkeit hat, das Spoilerfoto von Eurem Log zu entfernen! Er kann notfalls nur den gesamten Log löschen, was für Euch zunächst Punktverlust bedeutet sowie zusätzlichen Aufwand, um den Eintrag neu zu erstellen!

  5. West468s Geocaching Weblog » Blog Archive » Logs löschen? Says:

    […] Mit dem Logschreiben aus der Perspektive der suchenden Geocacher hatte ich mich ja schon auseinandergesetzt und dabei für Ehrlichkeit plädiert. Wie aber geht man als Cachebesitzer mit Logs um? Darf oder soll man sogar Logs unter bestimmten Umständen löschen? […]

  6. West468s Geocaching-Weblog » Blog Archive » Geocacher interviewt… Says:

    Jeder Cache ist eine Einladung des Owners an die Cacher-Gemeinde. Wenn ich die Einladung annehme, versuche ich mich zu verhalten wie ein Gast, der zum Essen zu Hause eingeladen ist. Gefragt ob es mir geschmeckt hat, wird meine Antwort (hoffentlich) stets taktvoll sein.

    [geoPirats Entgegnung auf die Frage, wie ehrlich ein Log sein darf und wie er es mit konstruktiver Kritik hält. Das ist natürlich eine legitime Sichtweise, die sich aber nicht ganz mit meiner deckt.]

  7. West468s Geocaching-Weblog » Blog Archive » “Wer XY nicht mag, soll XY nicht suchen!” Says:

    […] Auf den ersten Blick ist man geneigt, den Satz für vernünftig zu halten und ihm zuzustimmen: Schließlich kann man den Cachebeschreibungen und Logs im Vorfeld der Suche eine Reihe von Informationen entnehmen […], und wenn einem das, was man liest, nicht gefällt, besteht ja die Möglichkeit, Caches auszusuchen, die mehr Spaß versprechen. Niemand ist gezwungen, einen bestimmten Cache anzugehen. […]
    Wer vor Ort war, darf auch offen seine Erfahrungen mit einem bestimmten Geocache mitteilen. Nicht nur das, ich halte es im Sinne anderer Geocacher sogar für geboten, das zu tun. (Vgl. Das Logschreiben – ehrliche, sachliche Kritik. […])

  8. West468s Geocaching-Weblog » Blog Archive » “Schneller Cache für zwischendurch” Says:

    […] Natürlich, diese Caches werden nicht boykottiert, sondern geloggt wie andere Caches auch, insofern bekommt der Ausleger auch nicht das Gefühl, dass sein Cache eigentlich niemandem etwas bringt. Durch die vielen anderen Schnell-Caches fühlt er sich bestätigt, auch wenn er vielleicht weiß, dass er keine tolle Location mit einer Dose bedacht hat. (’Was viele machen, kann ja nicht verkehrt sein.’ Oder?) Schließlich loggen ja viele brav “Danke für den Cache”, auch wenn sie wenig Spaß daran hatten, was wohl selbst für hartgesottene Statistikcacher zutreffen dürfte. Generell, denke ich, kommt bei solchen Caches immer noch zu wenig Kritik (Stichwort: Ehrliche Logs), was auch dazu beiträgt, dass sich diese Spezies weiter verbreitet. Dabei sollte sich ein Besitzer klar machen, dass er selbst im Grunde doch auch kaum etwas von so einem Cache außer dem Punkt für die Hidden-Statistik (welcher allerdings für manche erstrebenswert ist) hat. Überschwängliche Logs von begeisterten Cachern sind ja nicht zu erwarten. […]

  9. West468 Says:

    In welcher Sprache loggen?

    Das ist ein häufiger diskutiertes Thema, siehe dazu einen aktuellen Thread im Geoclub.
    Eigentlich versteht es sich von selbst, dass man im Ausland in Englisch oder in der Landessprache loggen sollte, so die einhellige Meinung. Allerdings wird auch vielfach beklagt, dass von manchen auch dann einfach in Deutsch geloggt wird.
    Orientieren sollte man sich im Zweifelsfall an der Cachebeschreibung. Legt z. B. ein Holländer einen Cache hinter der Grenze auf deutschem Boden und verfasst seine Beschreibung auf Englisch, dann logge ich auch in dieser Sprache. Logs durchgängig immer mehrsprachig zu gestalten, halte ich für überflüssig (siehe auch das Geoclub-Thema Englische Online-Logs im Inland?!).
    Cachebeschreibungen mit Rücksicht auf internationale Geocacher auch mit einer englischen Version auszustatten finde ich sinnvoll.

  10. West468 Says:

    Das Thema Logschreiben tangiert natürlich auch die Frage nach dem richtigen Logtyp… Siehe meine umfassende Übersicht.

  11. West468 Says:

    „Immer weniger schöne Logs“ werden z. B. im blauen Forum beklagt.
    Aufforderungen zum Abändern von Logs, aktuell ein recht heißes Diskussionsthema im grünen Forum

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